Lehman Brothers
Wieder schwankt der Boden

Lehman Brothers plant angeblich, sich frisches Kapital über weitere vier Mrd. Dollar zu besorgen. Scheinbar ist die Absturzgefahr noch nicht gebannt. Es sieht ganz so aus, als ob der Boden im Bankensektor wieder ins Schwanken gerät.

Lehman Brothers erwägt einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge, eine Aktienemission über vier Mrd. Dollar und damit die erste seit ihrem Börsengang im Jahr 1994 vorzunehmen. Die US-Investmentbank hatte sich erst im April neues Kapital über vier Mrd. Dollar beschafft. Sie wollte damit eigentlich anhaltende Zweifel an der Firma im Keim ersticken.

Dann hatte sich auch noch der alt gediente Chef von Lehman, Richard Fuld Jr., anderen Wall Street-Titanen angeschlossen und erklärt, die schlimmsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten seien ausgestanden. Dieser Optimismus erweist sich als verfrüht.

Lehman und Konsorten müssen nun feststellen, dass es härter als erwartet ist, sich aus dem Sumpf der Kreditkrise herauszukämpfen. Absicherungsstrategien greifen nicht, unverkaufte Kredite lasten auf den Bilanzen und es ist schwer an neue, rentable Geschäfte zu kommen.

Wenn Lehman Ernst macht, ist die Bank allerdings nur ein weiteres Glied in einer ganzen Kette neuer Unheilsbringer. Der britische Immobilienfinanzierer Bradford & Bingley war am Montag zu einer abrupten Kehrtwendung gezwungen, nachdem er zuvor nach außen immer so optimistisch geklungen hatte. Kein Wunder. Am selben Tag veröffentlichte die Bank of England neue Zahlen, denen zufolge die Zusagen für Hypothekendarlehen in Großbritannien im April ein neues Rekordtief erreicht hatten. Nur Stunden später kamen weitere düstere Nachrichten aus Amerika, wo die US-Bank Wachovia ihren Chef in die Wüste geschickt und Standard & Poor?s die langfristigen Kredit-Ratings von Lehman, Merrill Lynch und Morgan Stanley gesenkt hatte.

Die weltweiten Bank-Aktien hatten um 18 Prozent zugelegt, nachdem sie im März fast ein Fünfjahrestief erreicht hatten. Dann aber war es wieder abwärts gegangen - um fast zehn Prozent gegenüber den jüngst gesehenen Kursspitzen. Vielleicht beabsichtigen die Banker, die Märkte zu beruhigen, indem sie ihnen versichern, dass sie auf sicherem Boden stehen. Die Investoren sollten sich allerdings vorsichtig vorantasten. Es könnte sein, dass sich dieser Boden ein paar Stockwerke tiefer befindet.

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