Lehman
Ein Blick in den Spiegel

Die ins Trudeln geratene Wall Street-Firma Lehman Brothers könnte einen Teil ihres Investment Managements verkaufen. Die Interessenten werden gnadenlos um den Preis feilschen wollen. Aber jedes Argument für eine niedrigere Bewertung der Lehman-Einheit könnte auf die Käufer selbst zurückfallen.

Den potenziellen Bietern dürfte bei der Vorstellung, sich an dem Geschäftsbereich Investment Management von Lehman Brothers zu beteiligen, schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Angesichts der Schwierigkeiten der Wall Street-Firma dürften sie gnadenlos um den Preis feilschen - besonders, wenn man bedenkt, dass die Investmentbank wahrscheinlich noch einmal Kapital aufnehmen muss, um weitere Verluste bei ihren Gewerbe- und Wohnimmobilienbeständen über etwa 65 Mrd. Dollar abzudecken. Aber jedes Argument für eine niedrigere Bewertung für die Geschäftseinheit von Lehman könnte auf die Käufer selbst zurückfallen.

Wie denn das? Nun, man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, welche Punkte die interessierten Parteien vorbringen könnten: Die nachlassende Konjunktur weltweit und in den USA könnte sich negativ auf die Gebühreneinnahmen auswirken und zwar sowohl, was die Vermögenswerte von Lehman über 238 Mrd. Dollar an Aktien, Anleihen und Geldmarktprodukten betrifft, als auch, was ihre alternativen Investments über 39 Mrd. Dollar angeht, von denen darüber hinaus ein beträchtlicher Anteil in Private.Equity-Investitionen eingebunden ist. Die Bieter könnten daher einen Abschlag auf den Bilanzwert als Ausgleich für etwaige künftige Ausfälle im Portfolio verlangen.

Das gibt den Käufern bei den Verhandlungen einige schlagkräftige Argumente an die Hand. Aber praktisch alle Aspiranten weisen ein vergleichbares Geschäftsmodell oder eine ähnliche Zusammensetzung der Vermögenswerte auf, oder beides - ob es sich dabei um Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone und KKR handelt, die laut Presseberichten bereits Finanzinformationen über den Lehman-Bereich erhalten haben, oder ob es sich um traditionelle Geldmanager wie Blackrock oder Franklin dreht.

Natürlich könnte sich das Geschäft von Lehman wiederum doch gerade so stark von ihrem eigenen unterscheiden, dass es keinem der möglichen Käufer tatsächlich notwendig erscheint, ihre eigenen Gewinnannahmen zu ändern oder die Bewertung der eigenen Bestände nach unten zu korrigieren. Aber die Analyse könnte sie mit dem Gefühl zurücklassen, sich gerade selbst lang und intensiv im Spiegel betrachtet zu haben. Und was sie da gesehen haben, könnte ihnen gar nicht gefallen.

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