Lehman
Hoffnung auf Rückgabe von Lehman-Anlagen

Der Oberste Gerichtshof in Großbritannien hat den Vorschlag des Zwangsverwalters PwC zurückgewiesen, die Restbestände der gescheiterten Bank an europäischen Treuhandvermögen im Juli auszuzahlen. Ein neuer Vorschlag könnte den Gläubigern aber ermöglichen, die Gerichte zu umgehen. Der Haken nur: 90 Prozent der Gläubiger müssen mitziehen.
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Lehman Brothers erwies sich in Europa als ausgesprochen armseliger Treuhänder. Mehr als ein Jahr nach dem Zusammenbruch des US-Unternehmens warten viele Hedgefonds immer noch auf die Rückgabe ihrer Vermögenswerte, die sie der Londoner Tochter anvertraut hatten. Der Konkursverwalter Pricewaterhouse Coopers versucht zu helfen. Im August allerdings wies der Oberste Gerichtshof Großbritanniens seinen Vorschlag zurück, die Rückzahlung der verbliebenen rund 9 Milliarden Euro europäischer Treuhandvermögen zu beschleunigen.

Der Plan bestand darin, dass PwC für die Anmeldung neuer Ansprüche eine Frist setzt und anschließend mit den Gläubigern als Gruppe und nicht einzeln verhandelt. Ohne eine entsprechende Regelung muss die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sich auf jahrelange Auseinandersetzungen in 1.000 Einzelfällen gefasst machen.

Die rechtstechnischen Probleme, die die Durchsetzung des ersten Vorschlags verhinderten, sind jetzt vielleicht zu lösen. Dann würde PwC den Rechtsweg bevorzugen. Aber der Zwangsverwalter entwickelte auch einen raffinierten Alternativplan, der es Gläubigern erlaubt, ihre Vermögenswerte unter Umgehung der Gerichte in der ersten Jahreshälfte 2010 zurückzuerhalten.

Das neue Modell entspricht in seinen Grundzügen dem alten Vorschlag. Die rechtliche Form ist allerdings eine andere. Statt an den in Großbritannien üblichen, rechtlich bindenden Vergleichsvorschlag denkt PwC bei der Alternative an eine vertragliche Vereinbarung zwischen dem insolventen Unternehmen und seinen Gläubigern.

Ohne den rechtlichen Schutz im Hintergrund spielt PwC dabei jedoch auf Nummer sicher und verlangt die Zustimmung von 90 Prozent der Gläubiger. Bei einem gerichtlich abgesegneten Verfahren würde eine Zustimmungsquote von 75 Prozent ausreichen.

Das neue Ziel ist hoch gesteckt. Einige Gläubiger zögern vielleicht, weil der Verwalter davon ausgeht , dass die Gesamtsumme der Ansprüche die vorhandenen Vermögenswerte um rund 300 Millionen US-Dollar übersteigen wird, wobei die Differenz vor allem auf Marktpreisveränderungen im vergangenen Jahr zurückzuführen ist.

Nach welchem Schlüssel aber werden die Verluste geteilt? Werden sie gleichmäßig über alle Gläubiger verteilt, dann würde es jeden einzelnen mit rund 300.000 Dollar treffen, ein geringer Preis, wenn man dafür insgesamt rund 9 Milliarden US-Dollar zurückerhält. Aber einige Werte dürften von den Verlusten stärker betroffen sein als andere, sodass dieser Ansatz nicht gerade gerecht wäre.

Aber realistisch betrachtet besteht die Wahl wohl eher zwischen einem schlecht und rechten Kompromiss und einem Rechtsstreit, der sich über Jahre hinzieht. So dürfte es für alle Beteiligten besser sein, einfach nur ja zu sagen.

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