Lehman/KDB
Keine Seoul-Lösung

Die Vorstellung, dass die staatliche Korea Development Bank die angeschlagene Wall-Street-Investmentbank kaufen könnte, schien schon immer etwas weit hergeholt. Jetzt hat die koreanische Aufsichtsbehörde der Idee offensichtlich ein Ende bereit. Das Quartalsende steht vor der Tür und Lehman-Chef Dick Fuld sucht weiter nach Antworten.

Die Vorstellung, dass die staatliche Korea Development Bank Lehman Brothers kaufen könnte, war schon immer etwas weit hergeholt. Jetzt hat die koreanische Aufsichtsbehörde die Idee offensichtlich im Keim erstickt. Das Quartalsende steht vor der Tür und Lehman-Chef Dick Fuld sucht weiter nach Antworten. Der Lehman-Kurs erhielt am Freitag nach Berichten, KDB könnte an einem Kauf interessiert sein, neuen Auftrieb. Dann aber warnte die koreanische Aufsichtsbehörde die staatliche Bank davor, bei einem solchen Unternehmen die Führerschaft zu übernehmen, und die Lehman-Kurse gaben gleich am Montag wieder nach.

Natürlich war KDB der Meinung, Lehman könnte die Wette wert sein. Aber die Investoren, in Korea oder anderswo, tragen das Risiko, wenn die Krise an den Finanzmärkten weiter anhält. Es ist also verständlich, wenn sie oder die sie schützenden Aufsichtsbehörden kalte Füße kriegen und an die Verluste denken, die Investoren aus Übersee schon früher bei ihren Anlagen in strauchelnde US-Finanzinstitute erlitten haben.

Dabei ist auch zu bedenken, dass bei einem Lehman-Marktwert von inzwischen unter 10 Milliarden Dollar, jede Kapitalspritze, die etwas bewirken soll, zwangsläufig mit einem bedeutenden Unternehmensanteil verbunden sein wird. KDBs koreanische und vor allem politische Erfahrungen prädestinieren die Bank nicht gerade dazu, Lehman zu steuern. Auch andere potenzielle Investoren mit ähnlichen Geschäftsinteressen wie Lehman könnten es vorziehen, auf Abstand zu bleiben und lieber Talente abzuwerben, statt sich bei Lehman einzukaufen.

Und dann ist da auch noch die Frage des Preises. Nach einigen Berichten, wartet Fuld auf einen Käufer, der einen höheren Preis zu zahlen bereit ist als die potenziellen Investoren anlegen wollen - und das gilt im Augenblick wohl genauso für einen möglichen Verkauf der Kronjuwelen des Wall-Street-Hauses., das Anlagenmanagement. Verkäufer, deren Aktien fallen, suchen immer nach Angeboten von gestern, während die Verkäufer nach den Preisen von morgen Ausschau halten.

So oder so, das dritte Quartal des Lehman?schen Geschäftsjahrs endet in weniger als einer Woche. Und Fuld ist immer noch auf der Suche nach Lösungen für die Unternehmensprobleme. Schlecht für ihn, die meisten Marktbeobachter gehen davon aus, dass ihm nun nichts anderes übrig bleibt, als eine weitere Kapitalerhöhung in die Wege zu leiten, Vermögenswerte zu verkaufen oder beide Möglichkeiten zu kombinieren, wenn er die negative Stimmung um das Unternehmen umkehren will. Er sucht immer noch nach einem passenden Deal, der die Kritiker zum Schweigen bringen könnte. Seoul jedenfalls ist vielleicht nicht mehr der beste Ort, um danach zu suchen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%