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Lettland: Mit dem Währungsanker in die Tiefe

Eine fehlgeschlagene Anleihe-Auktion und eine Regierung, die mit Budgetkürzungen kämpft, haben dazu geführt, dass die Lage in Lettland wieder brenzlig wird. Das eigentliche Problem des Landes besteht in dem festen – und enorm überbewerteten - Wechselkurs. Zehn Monate nach seinem ersten Rettungsversuch sollte der IWF in den sauren Apfel beißen und Lettland bei der Abwertung unterstützen.

von Ian Campbell (breakingviews.com)

Es steigt schon wieder Rauch auf im belagerten Lettland - weniger als ein Jahr, nachdem versucht worden war, einen wütenden wirtschaftlichen Flächenbrand zu löschen. Vor zehn Monaten hatten Europa und der Internationale Währungsfonds (IWF) einen kostspieligen Versuch unternommen, das Land zu stützen. Doch die einzige wirkliche Lösung liegt darin, den lächerlich überbewerteten festen Wechselkurs Lettlands anzupacken und die Folgen zu ertragen - die besonders die schwedischen Banken hart treffen werden, die unvernünftig viele Kredite in dem Land vergeben haben.

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Im Augenblick ist Lettland einfach nicht überlebensfähig. Für eine Auktion von Staatsanleihen über acht Mill. Lats, das sind umgerechnet etwa 17 Mill. Dollar, am 7. Oktober waren keine Gebote eingegangen. Die Zentralbank kritisierte in ihrer Verzweiflung die Regierung unter Ministerpräsident Valdis Dombrovskis und warnte vor schwerwiegenden Folgen aufgrund der "alles andere als klaren Signale", was die "Übernahme des Staatsbudgets" anginge.

Doch es wäre ein Fehler, in einer schwachen Regierung die Quelle der Schwierigkeiten des Landes auszumachen. Lettland ist in einer vernichtenden deflationären Spirale der Rezession und der rückläufigen Ausgaben gefangen. Der IWF kann von einem Land, das in diesem Jahr ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um 18 bis 20 Prozent wird erleiden müssen, nicht erwarten, dass es weitere Haushaltskürzungen vornimmt. Lettland wird wegen seiner Währungsanbindung gekreuzigt. Der einzige Weg nach vorn besteht in einer Abwertung des Lat und in der Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Im Dezember war der IWF vor diesem Schritt zurückgeschreckt. Die Logik dahinter lag vermutlich darin, dass die Lage in Lettland Gefahr lief, sich zu einem weiteren Fall Lehman Brothers für die Weltwirtschaft auszuwachsen. Eine Abwertung der lettischen Währung hätte Schockwellen durch Osteuropa gesandt, das ohnehin schon taumelte. Und so entschlossen sich der IWF und die Europäische Union, die unbedingt die Vermögenswerte schwedischer Banken schützen wollte, stattdessen dazu, das wackelige lettische Gebäude abzustützen und dem Land weitere Sanierungsmaßnahmen aufzuerlegen.

Dombrovskis scheint erkannt zu haben, dass einige der ausländischen Banken, die Lettland in den Boom-Jahren in unvernünftiger Weise mit Krediten überflutet hatten, das Leid des Landes teilen müssen. Seine Regierung arbeitet an Plänen, um die Verbindlichkeiten der Hauseigentümer aus Hypothekendarlehen auf den Barwert der zugrunde liegenden Sicherheiten zu beschränken. Dieses Vorhaben könnte als Vorstufe zu einer Abwertung gesehen werden - wobei dann die Vermögenswerte ausländischer Banken, die Kredite an Lettland vergeben haben, abstürzen würden.

Eine Abwertung wäre, wie immer, schmerzhaft. Aber ein wettbewerbsfähigeres Lettland hätte die Chance, wieder zu wachsen. Europa befindet sich jetzt in einer besseren Ausganglage als vor einem Jahr, um den Schock zu ertragen. Estland und Litauen, die derselben Wechselkursanbindung wie Lettland unterliegen, deren Finanzen aber ein wenig robuster sind, würden zusehen. Und letztendlich würde ihnen Lettland wahrscheinlich den schwierigen, aber einzigen Weg zum Überleben aufzeigen.

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