Libyen
Schluss mit dem Buhmann-Image

Vor ein paar Jahren noch hätte die Vorstellung, dass Libyen sich mit zehn Prozent an einem bedeutenden Unternehmen aus dem Westen beteiligt, bei den Investoren beträchtliches Schaudern ausgelöst. Aber das ehemals zu den Schurkenstaaten zählende Land unterzieht sich weit reichenden Reformen und kann sogar einen Staatsfonds über 50 Mrd. Dollar vorweisen, der recht ordentlich geführt wird. Gaddafi hat jetzt die Chance zu beweisen, dass er kein Buhmann ist.

Das kameradschaftliche Treffen zwischen dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi und dem de facto Staatsoberhaupt von Libyen, Muammar al-Gaddafi, im August hatte die Bühne bereitet. Jetzt wollen die Libyer einen Anteil von rund zehn Prozent an Telecom Italia (TI) übernehmen. Vor ein paar Jahren hätte die Vorstellung, dass der ehemals terroristische Staat sich an einem solch bedeutenden Unternehmen aus dem Westen beteiligt, den Investoren vermutlich großes Unbehagen bereitet. Aber Libyen unterzieht sich weit reichenden Reformen. Dies könnte die Chance für Gaddafi sein, zu beweisen, dass er kein Buhmann ist.

Sicher, Libyen versucht nun schon seit einigen Jahren mit wechselndem Erfolg, auf den Weg der internationalen Wiedergutmachung zurückzukehren. Seitdem die über ein Jahrzehnt währenden UN-Sanktionen 2003 aufgehoben worden waren, hat das Land eine Reihe von Strukturreformen in die Wege geleitet und den Übergang zu einem so genannten "Volkskapitalismus" beschleunigt. Doch immer noch eilt ihm sein Ruf als ehemals geächteter Staat voraus. Die Liberalisierung der Wirtschaft mit ihren enormen Erdölreserven geht nur schleppend voran und viele ausländische Investoren sind verständlicherweise immer noch skeptisch.

Doch eine Beteiligung an TI, der viertgrößten Telekommunikationsgesellschaft in Europa, könnte dazu beitragen, das zweifelhafte Image des Landes zu verbessern - nicht zuletzt, wenn daraus auch noch ein Paradestück für seinen 50 Mrd. Dollar schweren Staatsfonds, die Libyan Investment Authority (LIA), wird. Der Fonds, der im März 2007 kurz vor der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit den USA und der EU gegründet worden war, ist jüngst vom Internationalen Währungsfonds für seine Transparenz und sein unabhängiges Management gelobt worden.

LIA-Chairman Mohammed Layas hat unter anderem Erfahrungen im Vorstand der British Arab Commercial Bank in London, dem spanischen Banco Atlantico und der Arab Banking Corporation in Bahrain gesammelt. Er könnte sich als hilfreiche Ergänzung der Liste der zunehmend verdrießlich gestimmten Kernaktionäre von TI erweisen, die die spanische Telefonica und die italienischen Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo umfassen. Und ohne Zweifel könnte TI mit Verbindlichkeiten über 40 Mrd. Euro und einer Marktkapitalisierung von 20 Mrd. Euro auch ein wenig Bares ganz gut gebrauchen.

Doch es gibt einen Grund, warum LIA bisher nur wenige Investitionen im Ausland vorgenommen hat. Gaddafi lässt sich bestenfalls mit Don Quijote vergleichen. Die engen und langjährigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben dazu geführt, dass Italien jetzt zum nahe liegenden Testgebiet für die neu gefundene Ernsthaftigkeit wird. Aber TI wäre gut beraten, sich an die letzte größere Investition Libyens in Italien zu erinnern - 1976 in Fiat. Nachdem sich das Land viele Wochen mit der Entscheidung Zeit gelassen hatte, ob es sich überhaupt engagieren will, zog es sein Geld in nur einem Wochenende wieder ab.

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