Liechtenstein
Die quiekende Steuermaus

Deutschlands Angriff gegen das Nachbarland im Westentaschenformat ist das jüngste Beispiel für den wachsenden Druck auf kleine Steueroasen. Steuerhinterziehung wird sich nie ganz ausschließen lassen. Aber gewiefte Finanzzentren wissen, dass ihre Reputation eine entscheidende Rolle spielt und die Anerkennung internationaler Vorschriften der Schlüssel zu ihrer zukünftigen wirtschaftlichen Blüte ist.

Die Schlinge um Liechtenstein zieht sich zu. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel droht das kleine Fürstentum in den Alpen zu isolieren, wenn es sich nicht bereit erklärt, im Kampf gegen die Steuerhinterziehung zu kooperieren. Die Forderungen entstanden, nachdem sich die Anhaltspunkte verdichteten, dass etwa 1.000 reiche Deutsche – darunter Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel – Teile ihres Vermögens in Liechtensteiner Stiftungen unterbrachten, um deutsche Steuern zu umgehen.

Liechtenstein wird vielleicht gegen Merkels strenge Politik protestieren. Aber viele Möglichkeiten bleiben nicht, das Fürstentum wird seine Gesetzgebung anpassen müssen – so wie zuvor schon die meisten anderen europäischen Steueroasen. Als die in Paris ansässige OECD sich 1998 das erste Mal mit der heiklen Frage beschäftigte, was denn unter „schädlichen Steuerpraktiken“ zu verstehen sei, nahm sie die Rechtsprechung in 47 Ländern unter die Lupe. Sieben davon landeten auf der „schwarzen Liste“. Drei gelten immer noch als Sünder: Liechtenstein, Andorra und Monaco.

Drei Hauptfaktoren haben dazu beigetragen Fortschritte im Kampf gegen die Steuerhinterziehung zu erzielen. Erstens, alle Regierungen, auch solche wie in Liechtenstein, die das Bankgeheimnis verteidigen, sind sich darin einig, Geldwäsche zu unterbinden. Sie gilt als Finanzierungsquelle des organisierten Verbrechens und des Terrorismus. Zweitens, Deutschland und andere Großmächte, die sich Sorgen über den Verlust von Steuereinnahmen machen, stellen unangenehme Fragen über Offshore-Konten, die potenzielle Steuerflüchtlinge abschrecken. Drittens, Länder mit dem Etikett abtrünniger Steueroasen müssen, zu Recht, um ihren Ruf als Geschäftsstandort bangen.

Liechtenstein allerdings lehnt es ab, über das privaten Stiftungen zugesicherte Bankgeheimnis zu verhandeln oder mit ausländischen Steuerbehörden zu kooperieren. Dabei verteidigt das Fürstentum nicht allein das, was es als Markenzeichen des Liechtensteiner Finanzzentrums sieht. Es bringt auch deutlich seinen Ärger darüber zum Ausdruck, dass der deutsche Staatssicherheitsdienst einen Informanten für seine Dienste bezahlte. Das Bankgeheimnis ist nach der Auffassung der Liechtensteiner Bankgesellschaft ein fundamentales Menschenrecht und schützt vor einer Regierung, die zu viel Macht erlangt. Aber allem Wutgeheul des Kronprinzen am Donnerstag vor dem Parlament zum Trotz scheint die Mauer gegenüber den deutschen Forderungen langsam zu bröckeln. Erst vor Kurzem unterzeichnete das Fürstentum ein Steuerabkommen mit den USA. Ein ähnlicher Vertrag könnte nicht nur Deutschland und die EU zufriedenstellen, sondern auch von Vorteil für Liechtensteins Finanzdienstleistungssektor sein.

Weder die Schweizer noch die Luxembourger Bankgesellschaft haben über große Einbrüche in der Vermögensverwaltungsbranche berichtet, nachdem sie mit den richtigen Maßnahmen die Gunst von EU und OECD gewonnen hatten. Gewiefte Finanzzentren bieten clevere Lösungen an, steuerwirksame – aber am wichtigsten – legale. Selbst die OECD unterstützt Steuerplanung auf der Grundlage der geltenden Rechtsprechung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%