Liquiditätshilfen der EZB
Keine Exit-Strategie in Sicht

Die Zentralbank der Eurozone hat die Konditionen verschärft, zu denen sich Banken bei ihr Liquidität beschaffen können. Auch ist es möglich, dass die EZB im kommenden Jahr ihr Angebot an billigen einjährigen Krediten einstellt. Ihr Ziel ist es, die extremen Liquiditätshilfen allmählich wieder zurückzufahren. Mit einer wirklichen Exitstrategie ist jedoch so bald noch nicht zu rechnen.
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Die Europäische Zentralbank ließ in der vergangenen Woche allenfalls einen ersten kleinen Ansatz zu einer Exitstrategie erkennen. Ihre Ankündigung zu den "Rating-Anforderungen an Asset-Backed-Securities" ist wohl eher der Versuch, Banken daran zu hindern weiterhin Krücken als Sicherheiten bei der Liquiditätsbeschaffung zu hinterlegen. Die EZB steht mit ihrer Strategie, die Banken langsam von der extrem generösen Versorgung zu entwöhnen, noch ganz am Anfang.

Krücken ist vielleicht etwas übertrieben, aber auf dem Höhepunkt der Liquiditätskrise im vergangenen Jahr akzeptierte die Zentralbank auch Schuldtitel mit weniger als exzellenten Ratings als Sicherheiten. Der Ansatz wirkte - 2008 bestanden 28 Prozent der Sicherheiten, die die Banken hinterlegten, um sich mit frischen, niedrig verzinslichen Barmitteln zu versorgen, aus Asset-Backed Securities (ABS). Was die EZB aber nun ärgert, die Banken hinterlegen inzwischen neu geschaffene ABS - sozusagen brandneue Krücken -, die kein Investor kaufen würde, die EZB aber weiterhin akzeptiert.

Dennoch ist der Anti-ABS-Schritt alles andere als drakonisch. Die EZB verlangt in Zukunft lediglich, dass die Banken Kreditratings von zwei statt bisher nur einer Ratingagentur vorlegen müssen, damit die Schuldtitel bei ihr als Sicherheit verpfändet werden können. Die Absicht der neuen Politik ist klar. Die Wertpapierbündel müssen verkäuflich sein und sollen nicht länger dubios bleiben.

Und es könnte ein Ende der billigen einjährigen Kredite bevorstehen. Die Banken verschlangen im vergangenen Juni 442 Milliarden Euro solcher Kredite und noch einmal 75 Milliarden im September. In der Dezember Sitzung wird die EZB noch einmal einjährige Mittel bereitstellen, zu einem Prozentsatz im voraussichtlich unteren 1-Prozent-Bereich. Das dürfte dann aber die letzte Runde der billigen Jahreskredite gewesen sein.

Die Märkte sind bereits in Alarmbereitschaft und halten nach weiteren Exit-Anzeichen Ausschau. Aber die Anforderungen an die Sicherheiten zu verschärfen und einen außergewöhnlich großzügigen Geldhahn zuzudrehen bedeuten noch nicht allzu viel. Die EZB scheint zu signalisieren, dass die Märkte sich erholen und die Banken wieder auf sie zurückgreifen können, sie aber nicht missbrauchen sollen.

Die Maßnahmen könnten für einige der schwächeren Banken zur Belastung werden. Allerdings liegen restriktivere Maßnahmen und Zinserhöhungen noch in weiter Ferne. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet urteilte erst am Montag, dass die Krise noch nicht vorüber sei. Er weiß, dass sowohl die Banken als auch die fragile Wirtschaft seine Unterstützung noch lange brauchen werden.

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