Liquiditätsrisiken
Nach der Flut kommt die Ebbe

Die Finanzinstitute sollten die im Großen und Ganzen klugen Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht zur Vermeidung von Liquiditätskrisen übernehmen. Sie werden dies vielleicht nicht wollen. Der Glaube, dass nichts ihren Zugang zum Kapital versperren könnte, hatte einen Großteil ihrer Gewinne während der Boom-Zeiten angetrieben.

Die neuen Richtlinien des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht darüber, wie die Banken den Zugang zu ihren Finanzierungsquellen absichern sollten, machen einen klugen Eindruck, wenn sie auch ein wenig spät eintreffen. Die Gruppe internationaler Branchenaufseher will eine Wiederholung des Desasters abwehren, das Northern Rock und Bear Stearns in die Knie gezwungen und andere bedroht hat. Aber die Banken könnten zögern, die Warnungen des Komitees zu beachten. Der Glaube, dass nichts ihren Zugang zum Kapital einschränken könne, hatte einen Großteil ihrer Gewinne während der Boom-Zeiten angetrieben.

Die Vorschläge umfassen die üblichen aufsichtsbehördlichen Empfehlungen: mehr Transparenz, dickere Kapitalpolster, raffiniertere Belastungstests und eine gesonderte Aufmerksamkeit der Spitzenmanager. Aber sie beschäftigen sich auch mit einigen der weniger offenkundigen Motoren der Liquiditätskrise. Einer davon ist das miserable Management der möglichen Verlustrisiken - etwa der Deckungskredite für außerbilanzielle Vehikel und von nicht in Anspruch genommenen Kreditlinien. Die Banken sind in Schwierigkeiten geraten, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie niemals tatsächlich vortreten und diese Positionen finanzieren müssten. Als dieser Fall dann doch eintrat, wurden ihre Ressourcen bis zum Äußersten beansprucht.

Zudem haben die Banken den Liquiditätsrisiken auch nicht immer Rechnung getragen, wenn sie entschieden haben, welche Geschäftszweige sie verfolgen wollen. Sie haben über Jahre hinweg Modelle eingesetzt, die die um das Risiko bereinigte Rendite für ihre verschiedenen Geschäftsbereiche berechneten. Aber diese Modelle griffen nur die Markt- und Kreditrisiken auf - nicht die der Liquidität. Dies hatte dazu geführt, dass Geschäfte, die eigentlich unter einem hohen Liquiditätsrisiko litten, wie etwa Zweckgesellschaften, aussahen wie Goldesel mit einem geringen Risiko.

Auch auf der Passivseite verhielten sich die Banken nicht sonderlich intelligent. In Fällen wie Northern Rock waren sie der Überzeugung, dass ihre Finanzierungsquellen - einschließlich einiger Einlagen, in diesem Fall - "widerstandsfähiger" wären als dies dann tatsächlich der Fall war. Und jene, die sich bei der Finanzierung auf die Kapitalmärkte verlassen haben, erlebten eine böse Überraschung, als die Investoren ihnen plötzlich den Rücken zukehrten.

Der Ausschuss empfiehlt, die Finanzierungsquellen und Fälligkeiten zu streuen. Aber das kann zu Gewinneinbußen führen, besonders wenn die kurzfristigen Zinsen verlockend niedrig sind. Um die nächste Krise zu vermeiden, werden die Branchenwächter über die bloßen Ermahnungen hinausgehen und damit anfangen müssen, Forderungen zu stellen.

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