Lloyds
Das Arbeitstier auf der Rennbahn

Lloyds könnte das kostspielige staatliche Versicherungsprogramm umgehen. Während die Krise langsam verblasst, kann das Kreditinstitut den Weg nach vorn antreten und dabei vielleicht sogar auf die Kapitalmärkte vordringen. Das klingt riskant, doch ein Joint Venture mit einem britischen Broker könnte sich nach der Rezession als Pluspunkt für Lloyds erweisen.
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Die leidgeprüften Aktionäre der Lloyds Banking Group kommen langsam aus dem Gröbsten heraus. Noch vor wenigen Monaten sah es ganz so aus, als sollte die ehemals konservative Bank für ihren unglückseligen Deal um die Übernahme von HBOS mit der teuren staatlichen Versicherung auf Vermögenswerte über 250 Mrd. Pfund Sterling und einem Regierungsanteil an dem Institut von 62 Prozent bestraft werden. Doch nach einer enormen Bezugsrechtsemission zu heftigen Abschlägen und ein wenig raffinierter Passivsteuerung steht die Bank plötzlich viel vorteilhafter da.

Da die britische Regierung immer noch einen Anteil von 43 Prozent an Lloyds hält - der daher rührt, dass die Bank im vergangenen Jahr vom Staat Kapital über 17 Mrd. Pfund erhalten hat, - ist sie trotzdem noch nicht völlig frei in ihren Entscheidungen. Doch die UK Financial Investments (UKFI), die unabhängige Organisation, die den Anteil verwaltet, will Gewinne machen. Die besser kapitalisierte Bank kann jetzt größere Risiken eingehen. Und dies ist einer der Gründe dafür, dass sie Sondierungsgespräche über einen Zusammenschluss mit einem britischen Brokerhaus führt.

Einige Aktionäre werden auf diese Idee wahrscheinlich mit gesteigerter Nervosität reagieren und sich Sorgen darüber machen, ob ihr als bescheidenes Arbeitstier bekanntes Institut mit dem rasanten Gebaren auf den Kapitalmärkten zurechtkommt. Aber Lloyds plant nichts Hyper-Dynamisches wie etwa den Eigenhandel. Und es hat durchaus seine Vorteile, sich über ein Joint Venture im Maklerbereich heranzutasten.

Während die Rezession langsam verblasst, werden viele britischen Unternehmenskunden von Lloyds ihre Verbindlichkeiten umschulden oder ihr Kapital erhöhen müssen. Einige würden dabei lieber eng mit dem Kapitalgeber zusammenarbeiten, als heftigere Konsortialgebühren an eine Investmentbank zu zahlen. Das klingt ganz nach einer Geschäftsmöglichkeit für Lloyds.

Aber wie soll sie umgesetzt werden? Das Geschäft intern aufzubauen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen und die Unternehmenskultur vor Herausforderungen stellen. Die UKFI könnte sich wohl kaum für einen direkten Kauf eines unabhängigen heimischen Brokers begeistern - wie etwa Panmure Gordon, Evolution, Execution oder Numis. Ein Gemeinschaftsunternehmen aber könnte gut funktionieren. Ein Makler könnte sich Zugang zu dem umfangreichen Kundenbuch von Lloyds verschaffen, während die Bank eine größere, wenn auch indirekte, Präsenz im Makler- und Verkaufsbereich erlangen könnte.

Die Aktionäre von Lloyds, die nicht dem Staat zuzurechnen sind und die bei allem skeptisch sind, was die neu erreichte Stabilität des Instituts möglicherweise gefährdet, könnten vielleicht auch Gefallen an der Vorstellung finden, sich dieser Geschäftssparte nicht dauerhaft zu verpflichten. Schließlich stecken sie nicht all dieses Geld in Lloyds, um es damit aus dem Fenster zu werfen.

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