Lloyds
Ein ehrgeiziger Selbsthilfeplan

Die neuerlichen Diskussionen darüber, ob die britische Bank die staatliche Kreditversicherung umgehen kann, stehen und fallen mit ihrer Fähigkeit, Kapital zum Marktwert des Unternehmens aufzunehmen. Immerhin zeigen die konkreten Formen, die die Überlegungen inzwischen annehmen, dass sich das Blatt seit den dunklen Krisentage gewendet hat. Aber eine private Lösung dieser Größenordnung ist eine echte Herausforderung.
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Die Idee, sich alleine durchzuschlagen, hat sich in der Lloyds Banking Group eingenistet. Die britische Bank will es vermeiden, sich beim Staat gegen Kreditverluste zu versichern, indem sie ihre Kapitalbasis aus eigener Kraft erhöht und dafür 25 Milliarden Pfund am Kapitalmarkt aufnimmt. Die konkreten Formen, die die Überlegungen inzwischen annehmen, zeigen, dass sich das Blatt seit den dunklen Krisentage gewendet hat. Es ist noch nicht allzu lange her, da musste Lloyds auf das staatliche Sicherungsmodell (Asset Protection Scheme) zurückgreifen, um die Konkursgefahr abzuwenden. Aber auch wenn die Lage heute weitaus besser aussieht, bleibt eine private Lösung dieser Größenordnung eine echte Herausforderung.

Nachdem Lloyds im März die staatliche Absicherung von Krediten im Volumen von 260 Milliarden Pfund beantragte, will die Bank nun nach eigenen Angaben versuchen, aus dem Programm und den damit verbundenen hohen Prämienverpflichtungen von 15,6 Milliarden Pfund entlassen zu werden. Aber selbst die offenkundige Fähigkeit, 15 Milliarden Pfund im Rahmen der größten Kapitalerhöhung der Geschichte aufzunehmen, scheint die Aufsichtsbehörden nicht zu befriedigen. Die britische Finanzdienstleistungsaufsicht zeigt sich weiter besorgt darüber, wie Lloyds wohl in einem Worst-Case-Szenario abschneiden könnte.

Eine Kapitalaufnahme von 25 Milliarden Pfund entspräche dagegen in ihrer Höhe der gegenwärtigen Marktkapitalisierung der Bank. Vor dem Hintergrund der freundlichen Marktstimmung ist eine Kapitalerhöhung um 15 Milliarden Pfund durchaus plausibel. Der Rest könnte über den Verkauf von Vermögenswerten - die Scottish-Widows-Versicherungstochter dürfte allein schon mindestens 5 Milliarden einbringen - und über die Emission von Vorzugsaktien finanziert werden. Lloyds könnte seine Kapitalbasis aber auch durch die Umwandlung von bereits vorhandenem Hybridkapital in reines Eigenkapital stärken.

Dieser Kapitalcocktail ist vielleicht inspirierend, aber schwer zu verwirklichen. Lloyds müsste wahrscheinlich schon in der Lage sein, Käufer für jegliche Form von Verkaufsplänen nachzuweisen, wenn die Finanzaufsicht die Bank aus ihrer Versicherung entlassen soll. Interessenten für Tier-2-Anteile zu finden, dürfte auch nicht ganz leicht sein, es sei denn, sie werden zu einem so guten Preis angeboten, dass ein Wandel so gut wie sicher erscheint. Lloyds muss aber auch noch die Finanzwächter der EU zufriedenstellen. An all diesen Fronten gleichzeitig zu kämpfen ist schon eine wahre Herausforderung.

Die Steuerzahler könnten erleichtert reagieren, wenn sich herausstellt, dass Lloyds weniger staatliche Hilfen braucht. Ob allerdings die Aktionäre so glücklich darüber sein sollten, ist fraglich. Nach Schätzungen von Nomura Research muss Lloyds beim gegenwärtigen Aktienkurs einen normalisierten Vorsteuergewinn von 8,5 Milliarden Pfund erwirtschaften, um ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne von 6,7 zu erreichen. Das ist vergleichbar mit den 9,6 Milliarden Pfund, die Lloyds und HBOS, die im Januar von der Bank übernommen wurde, auf dem Gipfel des Booms erreichten. Nimmt man nun an, die Bank verzichtet zugunsten einer höheren Kapitalbasis auf die staatliche Kreditversicherung, dann steigt die Hürde auf 10,6 Milliarden Pfund.

Vielleicht ist Lloyds in der Lage, die komplexe Aufgabe zu lösen, aber selbst bei noch rosigeren Marktaussichten müssen dazu noch einige Herausforderungen überwunden werden.

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