Lloyds
Flexible Spielregeln

Die Krise hat zu Recht schon viele Führungskräfte um den Job gebracht. Auch die Spitzenvertreter von Lloyds wären wohl dran gewesen, nachdem die britische Bankengruppe nach der misslungenen Übernahme von HBOS vielleicht mehrheitlich beim Staat landen wird. Aber der neue Hauptaktionär ist da ganz anderer Ansicht. Die Lehre? Dem Staat den einen oder anderen Gefallen zu tun, kann die Karriere fördern.
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Die Bankenkrise hat viele der Spitzenkräfte, die man zur Verantwortung gezogen hat, arbeitslos gemacht- durchaus zu Recht. Sir Fred Goodwin und Andy Hornby sind aufgrund ihrer strategischen Fehler bei der Royal Bank of Scotland und bei HBOS geflogen. Aber warum wird dann Eric Daniels, der Chief Executive des britischen Konkurrenten Lloyds Banking Group, wahrscheinlich auf seinem Posten bleiben? Weil Versagen kein Problem ist, wenn die Regierung mit im Spiel ist.

Unter normalen Umständen hätten sowohl Daniels als auch sein Chairman Sir Victor Blank ihren Hut nehmen müssen. Im Oktober hatte die britische Regierung das Duo zu einer simplen Wette überredet: Die beeindruckenden potentiellen Synergien aus der Akquisition von HBOS würden die gewaltigen Risiken, ihre faulen Kredite zu übernehmen, schon rechtfertigen. Diese Wette ging erwiesenermaßen so katastrophal schief, dass die Bank möglicherweise zu 77 Prozent in Staatsbesitz übergehen wird. Es sind schon Chefs wegen weitaus geringerer Fehltritte gefeuert worden.

Aber ihr Überleben hängt nun vom federführenden Aktionär von Lloyds ab - der Regierung. Und Gordon Brown, der britische Premier, will an den beiden festhalten - teilweise weil die Bank erfahrene Spitzenkräfte braucht. Aber da Brown den Deal eingefädelt hat, Wettbewerbsbestimmungen dafür aufgehoben und alle möglichen Widerstände überwunden hat, damit der Abschluss umgesetzt werden konnte, mag er eine gewisse Loyalität zu Blank und Daniels fühlen. Wenn er sie jetzt hinausjagt, würde dies sicherlich kein gutes Licht auf ihn werfen.

Wenn das Lloyds-Duo überlebt, würde diese neue Ära der staatlichen Kontrolle der Banken in Großbritannien mit den falschen Vorzeichen beginnen. Führungskräfte sollten nach den finanziellen - nicht den politischen - Werten beurteilt werden, die sie für ihre Aktionäre schaffen.

Wenn die britische Bankenindustrie jetzt auf diese Weise funktionieren soll, dann werden die Minderheitsaktionäre von Lloyds und RBS einen schweren Stand haben. Ihre Gewinne werden für die Manager der Banken nur noch zweitrangig sein, weniger wichtig, als dem Willen des Hauptaktionärs zu folgen.

Aber unter Beschuss geratene Topmanager können eine hilfreiche Lehre aus dem Vorgang ziehen: Wenn du deinen Job behalten willst, schenke den Interessen deiner Aktionäre keine Beachtung und stelle dich fest an die Seite der Regierung. Ken Lewis, der angeschlagene Chef der Bank of America, der der US-Regierung mit dem Kauf von Merrill Lynch ausgeholfen hatte, wird dies alles genau beobachten.

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