Löhne in Europa
Deutschland 10, Italien und Spanien 0

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Deutschland haben gerade einen großen Sieg im Streit um höhere Löhne davongetragen. Sie haben ihn verdient. Sie haben dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes deutlich zu erhöhen. Die schlechten Nachrichten kommen aus Italien und Spanien, wo die Lohnkosten nach oben geschnellt sind – und die Abwertung keinen leichten Ausweg mehr bietet.

Die Inflation in der Eurozone ist im März auf einen Rekord von 3,5 Prozent gestiegen. Dies war die Schlagzeile vom Montag. Am Dienstag verbuchten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst Deutschlands für sich selbst inflationär gute Neuigkeiten. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, konnte ihnen bis Ende 2009 Gehaltverbesserungen um 8,9 Prozent in Aussicht stellen.

Was ist jetzt los? Werden die Deutschen in ihrem Kampf gegen die Inflation nachlässig, auch wenn Bundesbankpräsident Axel Weber nahe legt, die Zinsen sollten steigen? Und diese Kreditkrise ist doch ganz egal!

Nicht wirklich. Die Wahrheit ist, dass die deutschen Arbeitnehmer die Lohnerhöhungen verdienen. Sie sind Jahre lang knapp gehalten worden. Das Problem ist, was ihre wohl verdiente Einkommensaufbesserung für die Zinsen in der Eurozone und für die weniger produktiven Teile Europas – den Süden – bedeutet.

Das Wachstum und die Exporte in Deutschland haben sich gut entwickelt und die Arbeitslosenquote ist auf den niedrigsten Stand seit 1992 gesunken. Aber die deutschen Verbraucher geben nichts aus. Die Einzelhandelsumsätze sind um Februar gegen Vormonat um 1,6 Prozent zurückgegangen und um 0,3 Prozent binnen Jahresfrist. Der Grund dafür ist, dass die lange Zeit, in der Deutschland als kranker Mann Europas galt, dafür gesorgt hat, dass die Einkommen der Beschäftigten gebremst wurden.

Die langsamen Reformen Deutschlands lasteten zwar schwer auf den Geldbörsen der Arbeitnehmer, aber der makroökonomische Nutzen der vergangenen Jahre war ausgeprägt. Die deutschen Lohnkosten verbesserten sich zwischen 2000 und 2007 um zehn Prozent. Es ist kein Wunder, dass die deutschen Hersteller - bisher - gut mit der Euro-Aufwertung zurechtkommen.

Aber die Trends, die sich in Deutschland abzeichnen, lassen sich nicht auf die gesamte Eurozone übertragen. Die Lohnkosten in Italien sind weit davon entfernt zu fallen, sie haben sich vielmehr in den vergangenen sieben Jahren um 22 Prozent erhöht. Wen wundert es da, dass das italienische Finanzministerium für dieses Jahr nur von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 bis 0,8 Prozent ausgeht. Eine ähnlich ungünstige Entwicklung bei den Lohnkosten zeigt sich in Spanien. Bis 2006 - aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar – hatten sich die spanischen Lohnkosten seit 2000 um 10,4 Prozent gesteigert. Den italienischen und spanischen Arbeitnehmern, so mag es scheinen, ging es vielleicht ein bisschen zu gut.

In der Vergangenheit mag die Abwertung ihrer Landeswährungen ihre Rettung gewesen sein. Aber jetzt könnte ihre Währung, der Euro, kaum härter sein. Auch können sie nicht einfach nur durch Zinssenkungen erlöst werden, wenn durch die Löhne in Deutschland eine (inflationäre) Aufholjagd in Gang gesetzt wird. Für eine wirtschaftliche Gesundung der beiden Länder benötigen sie eine Behandlung, wie Deutschland sie hinter sich gebracht hat: Mehr Arbeit für weniger Geld.

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