London 2012
Leisetreten als Olympische Disziplin

London ist nicht zu beneiden. Die Stadt hat die Olympische Fackel aus Peking in Empfang genommen – nachdem dort soeben das größte Olympische Spektakel der Neuzeit zu Ende ging. Doch beim Kräftemessen der Veranstalter kann das schöne Albion nur verlieren. Für 2012 müssen sich die Briten also auf ihr Größte Tugend verlassen: das Understatement.

Die Steuerzahler dürfen aufatmen, denn die Olympia-Organisatoren haben sich diese Botschaft längst zu Herzen genommen. Bei der Schlussfeier bestand die britische Fackelübernahme aus einem Doppeldeckerbus, einem alternden Rockstar, einer etwas welken Fußball-Legende sowie einem Bürgermeister in einem knittrigen, zu großen Anzug.

Keine zig-tausend Trommler und kreischbunt gekleideten Tänzer, wie sie die umwerfende Eröffnungszeremonie beherrschten. Aber nichts liegt den Briten ferner, als mit den Chinesen mitzuhalten; und nicht nur, weil das Land daran pleite ginge.

China, so wird vermutet, hat sich die Spiele etwa 42 Mrd. Dollar kosten lassen. Pro Kopf sind das weniger als 32 Dollar, knapp ein Prozent des Jahreslohns eines Arbeiters.

Durchschnittlich verdient ein britischer Arbeiter zwar das Siebenfache, doch ist die chinesische Bevölkerung 22-mal so groß. Um ein ähnliches Opfer wie die Chinesen zu bringen, müssten die Briten etwa 15 Mrd. Dollar ausgeben. Derzeitige Schätzungen sind davon nicht weit entfernt; Athen oder Sydney zahlten weniger.

Und doch wäre es nur ein Drittel der Ausgaben von Peking, die höheren Kosten infrastruktureller Maßnahmen dieser Größe nicht eingerechnet.

Es ist für China nicht nur viel billiger, ein Stadion zu bauen: sein autoritäres Regime kann ganze Wohnviertel nach Gutdünken planieren lassen.

London braucht, so Bürgermeister Boris Johnson, "Geist und Einfallsreichtum". Ein guter Start wäre ein Besuch beim Schneider in der Savile Row, bevor in vier Jahren die Spiele starten.

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