Luxusgüter
Hochzeit aus Langeweile

Wird Louis Vuitton um die Hand von Tiffany anhalten? Eine Verbindung zwischen den beiden wäre keine schlechte Allianz. LVMH hat bei Juwelen nicht allzu viel vorzuweisen. Und die Marke Tiffany müsste vor allem in Amerika wieder ein wenig aufpoliert werden.

Wird Moet Hennessy Louis Vuitton (LVMH) um Tiffany & Co anhalten? Schon wird hinter den Kulissen aufgeregt getuschelt. Die Aktien des ausgesuchten amerikanischen Juweliers sind in dieser Woche um zehn Prozent gestiegen, denn der Markt hofft darauf, dass die französische Luxusgütergruppe eine Übernahme plant. Die Verbindung wäre zwar keine ausgemachte Mesalliance, aber LVMH könnte eine bessere Partie machen.

Das bedeutet nicht, dass Tiffany nicht auch in Frage käme. Das Unternehmen ist der einzige unter den großen Juwelieren der Welt, der noch nicht unter die Fittiche eines Konglomerats genommen worden ist. Cartier wird von der schweizerischen Richemont gehütet und die italienische Bulgari steht unter der strengen Aufsicht der gleichnamigen Familie. Tiffany würde zudem glänzende Gewinnspannen von 18 Prozent mit in die Ehe bringen. Und die Marke gilt, auch wenn sie in den USA ein wenig an Strahlkraft verloren hat, in Märkten wie Russland und China immer noch als Gütesiegel.

Aber es gibt Ehen, die aus Liebe eingegangen werden, und es gibt Ehen, in die man aus Langeweile einwilligt. LVMH braucht keinen solchen Bund, um weiter zu wachsen. Die Firma besitzt mehr als 50 Marken und zielt darauf ab, alle fünf Jahre die Gewinne organisch zu verdoppeln. Das schaffen nicht viele Unternehmen von mehr als 50 Mrd. Dollar. Außerdem liegt der wahre Gewinn für Luxusgüterkonzerne nicht in großen Übernahmen, sondern in der Kunst, kleine Marken zu großen Stars aufzubauen – wie dies dem Erzrivalen PPR mit Bottega Veneta gelungen ist.

Große Deals zu vermeiden, scheint zudem genau die richtige Art der Öffentlichkeitsarbeit für Bernard Arnaud zu sein, den Magnaten und Kunstsammler, der LVMH kontrolliert. Wegen seiner ausgiebigen Einkaufstour Mitte der neunziger Jahre war er kritisiert worden, er wolle sich wohl ein Imperium errichten. Seitdem hat sich Arnaud auf kleine, extrem schicke Zukäufe wie das hochklassige Weingut in Spanien verlegt, das LVMH in der vergangenen Woche für 25 Mill. Euro gekauft hat.

Und doch könnte Arnaud empfänglich für einen weiteren Großeinkauf sein: Bulgari. Der 3,6 Mrd. Dollar schwere italienische Juwelier würde sich nahtlos in den gehobenen Bereich des LVMH-Portfolios einfügen, der ohnehin ein wenig mehr Gewicht vertragen könnte. Momentan ist die Familie Bulgari nicht geneigt zu verkaufen. Aber während ihr globaler Ehrgeiz wächst, könnte die Haltung der Familie gegenüber einem Werber mit einer Marketing-Durchschlagskraft von mehreren Milliarden Dollar nachgiebiger werden. Wahre Liebe wartet.

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