Märkte
Am Ende doch noch angesteckt

Vor gut einem Monat erreichte der S&P 500 Index ein Allzeithoch. Seitdem fiel er um zehn Prozent, weil Investoren realisiert haben, dass breitere Spannen und höhere Kreditausfälle Wachstum und Gewinne wahrscheinlich belasten werden. Die Aktienmärkte könnten aber noch mehr schlechte Nachrichten vom Kreditsektor zu verdauen bekommen.

Es ist gerade etwas über einen Monat her, als der S&P 500 Index ein Allzeithoch erreichte. Und es sah so aus, als seien Aktien von Kreditproblemen ausgenommen. Diese Entkopplung hat aufgehört, seitdem ist der US-Index um rund zehn Prozent gefallen.

Als die Liquidität im August von den Geldmärkten nahezu verschwunden war, litten Aktien. Doch sie erholten sich, im Gleichschritt mit den Kreditmärkten. Der Itraxx Index für europäische Investment-Grade-Risikoprämien, der im August von 20 auf 57 Basispunkte gestiegen war, fiel wieder zurück auf 29 Basispunkte. Dank der Hilfe der Zentralbanken wurde Tagesgeld billig und leicht zu bekommen.

Das zugrunde liegende Problem der Kreditmärkte – die Verluste bei US-Hypotheken – verschlechterte sich zusehends. Dass die staatlich unterstützte Hypothekengruppe Freddie Mac kürzlich die Suche nach weiterem Eigenkapital bekannt gab, ist nur der jüngste Rückschlag. Der mit BBB- Rating versehene ABX Index für nachrangige Hypotheken notiert bei der Hälfte des Standes, den er zu Beginn der Kreditkrise im August aufwies.

Aktienanleger hofften, dass die Probleme im Markt für Immobilienkredite nicht allzu viele Kollateralschäden anrichten würden. Doch die Interbanken-Spannen sind heute fast auf Krisenniveau, und Kreditgeber sind zunehmend vorsichtig. Dies treibt die Risikoaufschläge in die Höhe. Der Itraxx Investment Index notiert nur zwei Basispunkte unter seinem August-Hoch, und der Crossover Index für Anleihen nahe Ramschniveau steht nur 40 Zähler unter seinem Hoch von 430 Basispunkten. Banken habe wieder Schwierigkeiten, fremdfinanzierte Übernahmen zu syndizieren. Siehe die Verzögerung beim Chrysler-Kredit.

Wenig Trost spendet Aktienanlegern die Rendite 10jähriger US-Staatsanleihen, die seit August von 4,7 Prozent auf 4,1 Prozent gefallen ist. Ein solcher Rückgang ist üblicherweise verbunden mit schwacher wirtschaftlicher Aktivität. Und dann ist da noch der US-Dollar, der gegenüber einem Vergleichskorb um zehn Prozent gefallen ist. Für ausländische Gewinne in den USA ist das gut, es dürfte ausländische Investoren aber wahrscheinlich davon abhalten, US-Vermögenswerte zu kaufen.

Haben Aktien die schlechten Kreditnachrichten schon verarbeitet? Der Weltmarkt handelt laut Dresdner Kleinwort zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 auf Basis der Gewinne in 2008. Wenn die Gewinne tatsächlich um jene zwölf Prozent steigen sollten, von denen Analysten offiziell noch immer ausgehen, dann erscheinen Aktien vernünftig bewertet. Ganz anders sieht es aus, wenn man bedenkt, dass alle Indikatoren an den Anleihemärkten auf wirtschaftliche Probleme in der Zukunft hindeuten.

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