Märkte
Die Angst kehrt zurück

Die Aussichten für Europa, Japan und die USA verdunkeln sich weiter. Die Konjunkturspirale dreht sich immer schneller abwärts, der Finanzsektor braucht zusätzliche lebenserhaltende Infusionen und die Forderungen an den Staat werden größer. Kein Wunder, dass die Rallye, die im November an den Aktienmärkten begann, schon wieder kehrt gemacht hat.

Vergessen wir die 1,38 Billionen Yen (11,6 Mrd. EUR), die Norichukin aufnehmen mussten. Noch im November sprach die Genossenschaft davon 1 Billion zu brauchen. Denken wir auch nicht daran, dass Saab Konkurs anmelden musste. Bei General Motors war schon lange klar, dass man die schwedische Tochter nicht würde retten können. Inzwischen gibt es massenweise neue Nachrichten, und fast alle sind schlecht.

In der Eurozone sank der am heutigen Freitag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsindustrie auf ein neues Rekordtief. Das BIP sinkt nach Angaben von JP Morgan mit einer Rate von 6 Prozent pro Jahr. Der Wirtschaftsausblick der japanischen Zentralbank ist so düster wie nie zuvor in der modernen Geschichte Japans. Der Rückgang des Inlandsprodukts könnte in Japan sogar noch größer ausfallen als in der Eurozone. Ein Schlüsselindikator des Verarbeitenden Gewerbes in den USA sank auf ein - klingt allmählich bekannt - neues Rekordtief.

Gute Nachrichten? Naja, die Einzelhandelsumsätze in Großbritannien stiegen im Januar. Aber durch das schwache britische Pfund steigen die Preise von Importgütern - die Umsätze dürften dadurch schon bald wieder spürbar unter Druck geraten. Und wenn man schon über die Länder spricht, die nicht zur Eurozone gehören - weitaus beunruhigendere Meldungen kommen von den weiter im Osten liegenden Märkten. Eine länderübergreifende Krise stellt die Volkswirtschaften dieser Region, genauso wie die westlichen Banken, die sie finanziert haben, vor große Herausforderungen.

Die besagten Banken können solche Sorgen im Augenblick gar nicht brauchen, schließlich haben sie schon in ihren Heimatländern schnell wachsende Kreditverluste zu verdauen. Die Kreditblase im Osten ging an den US-amerikanischen Banken weitgehend vorüber, aber auch sie haben ihre Probleme noch lange nicht überwunden. Der Ruf nach Verstaatlichung ist inzwischen nicht mehr nur Vorschlag von Außenseitern, sondern Vorschlag der breiten Masse. Kommt es dazu, wird der Wert der Kreditpositionen weiter sinken und die Verlustspirale noch mehr anheizen.

Die öffentliche Hand stemmt sich gegen den Wirtschaftseinbruch. Aber das globale Finanzsystem ist nicht so leicht in den Griff zu kriegen: es lässt sich viel leichter zerschlagen als wieder zusammensetzen. Nimmt man den Goldpreis als Indikator, der kurz davor ist die Marke von 1000 Euro pro Unze zu überspringen, dann fürchten Anleger inzwischen, dass die Wirtschaftskrise zur Inflationskrise wird.

Das die drei Monate alte Rallye an den Aktienmärkten unter dem Trommelfeuer der schlechten Nachrichten inzwischen eine fast komplette Kehrtwende gemacht hat, ist kaum verwunderlich. Aber eigentlich ist das einzig Mysteriöse dieser Rallye - die den MSCI World um 23 Prozent nach oben katapultierte - warum sie überhaupt gestartet ist.

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