Märkte
Geithner schafft neues Vertrauen

Der amerikanische Aktienmarkt ist um fast sieben Prozent gestiegen, nachdem US-Finanzminister Tim Geithner einen Plan vorgestellt hatte, wie die Bankbilanzen von verseuchten Vermögenswerten befreit werden können. Geithner hat den Markt nicht gerade mit innovativen Ideen vom Sockel gehauen, aber er scheint - zumindest vorerst - die Bedenken über seine Kampfbereitschaft zerstreut zu haben.
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Eine Erlösung für Tim Geithner ist es noch nicht gerade. Aber der Kursanstieg auf den US-Aktienmärkten um sieben Prozent, der auf die Vorstellung des Plans des US-Finanzministers folgte, die Bankbilanzen von verseuchten Vermögenswerten zu befreien, ist ein willkommenes Signal dafür, dass sich das Vertrauen der Märkte erholen könnte.

Geithner hat zwar kein rosa Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Sein Public-Private Investment Programme (PPIP) war in groben Umrissen schon seit geraumer Zeit bekannt. Während Geithner also nicht mit besonderen Innovationen aufwartete, hat er, indem er das Vorhaben mit Leben füllte und einen umfassenden Plan selbstsicher zu Gehör brachte, dennoch einiges dafür getan, die früheren Bedenken über seine Kampfbereitschaft und Angriffslust zu zerstreuen.

Auf dem Papier schreibt Geithner immer noch rote Zahlen. Sein Debut am 10. Februar, bei dem er nur ein bloßes Gerüst des PPIP vorstellte, und in dessen Vorfeld der Oberbefehlshaber auch noch übertrieben laut die Trommel gerührt hatte, hatte an der Börse zu einem Einbruch geführt. An jenem Tag verlor der Dow Jones-Index 4,6 Prozent bzw. 382 Punkte. Zwar waren die Kursgewinne nach Punkten an diesem Montag höher - der Leitindex legte um fast 500 Zähler zu. Dennoch notiert das Kursbarometer immer noch unter dem Stand von 8 271 Punkten. Das ist das Niveau, auf dem der US-Aktienmarkt vor sechs Wochen geschlossen hatte und zwar am Vortag des ersten Versuchs von Geithner, bei dem er maßgebliche Fragen unbeantwortet ließ.

Und wenn die Märkte sich immer mehr mit dem Gedanken anfreunden, dass das US-Finanzministerium einen glaubwürdigen Plan hat, das amerikanische Finanzsystem wieder auf Kurs zu bringen und das Aufsichtswesen zu reformieren, könnte Geithner die Marktbarometer wie den Dow Jones-Index wieder auf Stände hieven, wie sie seit den Tagen von George Bush im Oval Office nicht mehr registriert wurden. Wenn es der US-Regierung überdies noch gelingt, die Investoren davon zu überzeugen, dass sie den Kongress davon abhalten kann, den Kapitalismus noch weiter zu demontieren, dann könnten die Aktienkurse sogar noch höher steigen.

Was sein Markt-Timing angeht, wird Geithner sich allerdings anstrengen müssen, um seinen Chef zu überholen. US-Präsident Obama hatte am 3. März Aktien als "ein potenziell gutes Geschäft" bezeichnet. Er ist jetzt 16 Prozent im Geld.

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