Märkte
Gezeitenwechsel auf den Märkten

Am Donnerstag war es der US-Aktienmarkt, der gelitten hat. Aber die Schwierigkeiten rotieren - die Kredit-, Geld- und Devisenmärkte wechseln sich ab. Das zugrunde liegende Problem ist ein globaler finanzieller Gezeitenwechsel von immer mehr zu immer weniger Liquidität. Er lässt eine Menge gestrandeter Boote zurück.

Am Donnerstag begannen sich die Investoren auf dem US-Aktienmarkt zu fürchten. Der S&P-500-Index sank um 2,6 Prozent. In der vergangenen Woche waren es die Devisenmärkte gewesen, die wegen einer möglichen Dollar-Schlappe die Nerven verloren hatten. Einige Wochen davor bestimmten die sich ausweitenden Risikoaufschläge auf dem Kreditmarkt die Schlagzeilen. Und im August standen die Geldmärkte auf ungewöhnliche – und unerwünschte – Weise im Rampenlicht. Was geht hier vor?

US-Hypothekendarlehen aus dem Subprime-Bereich zweitklassiger Bonität erklären einen Teil des Schadens. In den vergangenen beiden Monaten sind die Schätzungen über den Gesamtschaden steil nach oben gegangen. Die Verluste werden die Kapitalstärke einiger Finanzinstitutionen schwächen. Und die Unsicherheit hat die Investoren bereits in vielen Märkten dazu veranlasst, vorsichtiger zu werden.

Aber ausfallgefährdete Hypothekendarlehen waren mehr ein Symptom als die Krankheit selbst. Die Gläubiger verfügten einfach über mehr Liquidität als sie schlechterdings nutzen konnten. Also wurden sie, ohne groß zu fragen, zu Käufern aller Arten von Hypotheken. Dieses Vorgehen war finanziell sinnvoll, solange die meisten Preise für Vermögenswerte stiegen. Da konnten die Schuldner ruhig umfallen, denn der Immobilienpreis würde die Darlehen immer noch absichern.

Diese Welle der Liquidität war über Jahre angeschwollen. Der Zuwachs bei den Tagesgeldsätzen in den USA und der Eurozone steuerte da nur wenig gegen. Während die Flut stieg, wurden fast alle Märkte mit nach oben gehoben, vom Kunstmarkt bis zu fremdkapitalfinanzierten Übernahmen. Manchmal war der eine Markt besonders stark, manchmal der andere.

Anfang 2007 begann die Liquiditätsflut abzuebben. Der Markt für Wertpapiere, die mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität besichert sind, blieb als erster im Sand stecken. Aber schnell gesellten sich ihm das Dollar-Wrack und eine komplette Veränderung der Bedingungen im Nichtbankensektor bei.

Es sieht so aus, als würden die Muster der guten Jahre nun gerade umgekehrt. Manchmal ist ein Markt besonders schwach, manchmal ein anderer. Die Symmetrie erstreckt sich auch auf die Tagesgeldsätze. Die Zinssenkungen durch die US-Notenbank haben nicht viel dazu beigetragen, die Preise der Vermögenswerte stabil zu halten.

Bis jetzt sind ein paar Märkte verschont geblieben. Besonders auffällig ist, dass sich der Rohölpreis immer noch auf einem historischen Höchststand bewegt. Andere Märkte haben nur einen moderaten Abschwung erlitten. Aber wenn die Ebbe der globalen Liquidität sich nicht bald wieder in eine Flut verwandelt, werden die meisten Märkte auf dem Sand ausharren müssen.

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