Man-Chef könnte recht behalten
Bald weniger Hedgefonds?

Man-Chef Pete Clarke erwartet, dass sich die Anzahl der erfolglosen Hedgefonds im nächsten Jahr verdoppeln könnte. Das klingt plausibel. Dabei liegen die Probleme weniger im Marktumfeld als in den veränderten Wirtschaftsbedingungen der Branche. Man kann damit rechnen, dass neue Fonds in Zukunft vermehrt unter dem Dach bekannter Namen auf den Markt gebracht werden.

In der Finanzkrise blieben Hedgefonds bisher unauffällig. Trotz der düsteren Prognosen sind sie weder Ursache noch Opfer der Turbulenzen an den Kreditmärkten. Nach Angaben von Hedge Fund Research verloren die Fonds im August durchschnittlich über zwei Prozent, konnten sich aber im September und Oktober wieder um jeweils über zwei Prozent erholen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Vorhersage von Man-Chef Peter Clarke unverständlich, schon im nächsten Jahr könnte einer von zehn Fonds scheitern. Er könnte damit allerdings gar nicht so falsch liegen.

Dabei ist es weniger die Marktentwicklung, die man im Auge behalten muss, als die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen innerhalb der Branche. Natürlich wird es auch Opfer der jüngsten Marktunruhen geben. Wer große Rückschläge hinnehmen musste, könnte unter dem Druck von Investoren, Prime Brokern (auf das Hedgefondsgeschäft spezialisierten Handelsabteilungen der Banken) und Mitarbeitern zur Aufgabe gezwungen sein. Die Alternative wäre harte Arbeit ohne den Anreiz von Performanceprämien, zumindest solange die hohen Anspruchsniveaus nicht wieder erreicht werden.

Dann ist da noch das Risiko, dass Investoren Mittel aus Fonds abziehen, deren Strategien nicht mehr überzeugen oder deren Performance schlecht ist. Aber der Trend zu längeren Anlagephasen bedeutet auch, dass Fondsmanager Mittelabflüsse eher erkennen und Maßnahmen ergreifen können, um ausreichend Liquidität vorzuhalten. Hinzu kommt, dass die bisherigen Berichte darauf hindeuten, dass die Mittelabzüge bisher gering waren und deutlich unter dem Niveau in früheren Krisensituationen liegen. Ein wirkliches Problem liegt im Volumen, das ein Hedgefonds erreichen muss, bevor er für die Anleger und Mitarbeiter reale Gewinne erzielen kann. Noch vor ein paar Jahren brauchte ein Hedgefonds, um profitabel arbeiten zu können, etwa 50 Mio. Dollar.

Heute sind es eher 200 Mio. In dieser Entwicklung spiegeln sich steigende Anlaufkosten wider, die unter anderem dadurch entstehen, dass Anleger in zunehmendem Maße institutionelle Infrastrukturstandards fordern, wie zum Beispiel Risikomanagementsysteme.

An die Marke von 200 Mio. Dollar heranzukommen, ist inzwischen erheblich schwieriger geworden. Ein Problem besteht darin, dass die Kapitalgeber der Hedgefonds, die mehr als 70 Prozent der Gelder verwalten, die der Branche zufließen, lieber große Summen investieren als in kleinen Beträgen anzulegen. Ein anderes Problem ist es, angesichts der Konkurrenz der Investmentfonds und Handelsabteilungen in den Banken, die für das eigene Wachstum notwendigen Mitarbeiter zu finden und zu halten.

Im Ergebnis heißt das, dass vor allem die großen, etablierten Player weiteren Zuwachs erhalten werden. Einige kleinere Fonds werden dabei auf der Strecke bleiben, andere von den Großen geschluckt werden. Erst zu Beginn dieser Woche übernahm der US-Hedgefonds Eton Park den auf den Kredithandel spezialisierten 300 Mio. Dollar-Fonds R6 Capital Management; im Sommer kaufte der britische Fondsmanager CQS die ebenfalls britische New City Investment Managers.

Das muss nicht heißen, dass das Tempo, mit dem neue Fonds auf den Markt drängen, nachlassen wird. Aber die Aktivitäten werden sich von neuen auf bereits existierende Hedgefondsmanager verlagern, die den Namen, die Infrastruktur und die Ressourcen haben, neue Fonds zu platzieren – und die gezwungen sind zu diversifizieren, um das eigene Geschäft am Leben zu erhalten. Eine Ausfallquote von zehn Prozent unter den Hedgefonds ist kein Hinweis darauf, dass die Branche in Gefahr ist, sie zeigt allerdings, dass die Hedgefonds in die Jahre kommen. Das sind gute Neuigkeiten für die Großen der Branche – Man natürlich eingeschlossen.

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