Man kann’s ja mal versuchen
GM und sein Traumpreis für Opel

General Motors darf ruhig sein Preisschild an den zu verkaufenden Mehrheitsanteil an Opel-Vauxhall hängen. Doch mitten in einer Rezession sind Preise wenig ausschlaggebend.
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Der US-Autobauer wünscht sich nach Berichten der Financial Times vom zukünftigen Mehrheitsaktionär an seiner europäischen Tochter 500 Mio. Dollar frisches Kapital. Doch so sehr sich GM auch als Entscheider geriert, viel Mitspracherecht am endgültigen Deal wird man ihm nicht zustehen. Die deutsche Bundesregierung - sie hält 3,3 Mrd. an Kreditgaratien für Opel bereit - wird das Sagen haben, sobald sich ein Kaufinteressent findet.

GM spricht von mehr als einem halben Dutzend möglicher Käufer für Opel. Die meisten davon Finanzinvestoren. Die wenigen industriellen Kandidaten interessieren sich ohne Zweifel vor allem für die Bücher der Konkurrenz.

Es ist verständlich, dass GM einen Finanzinvestor bevorzugt. Der klamme Autokonzern wird auch weiterhin eng mit Opel zusammenarbeiten, denn dort konzentriert sich GMs Know-How über benzinsparende Kleinwagen. Vom neuen Mehrheitsaktionär erwartet man sich, was GM in den letzten Jahren versäumt hat: Zugeständnisse von den Gewerkschaften und Hilfe vom Staat einfordern.

Dank des derzeitigen deutschen Politklimas scheint es fast sicher, dass Opel als Autokonzern auch in absehbarer Zeit noch existiert. Schließlich ist Wahlkampf. Der sozialdemokratische Kanzlerkandidat und derzeitige Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat bereits medienwirksam von der Regierung verlangt, "alles in ihrer Kraft stehende" zur Opel-Rettung zu tun.

Dennoch wird sich ein zukünftiger Finanzinvestor genau unter die Lupe nehmen lassen müssen in einem Land, in dem Minister Investoren als "Heuschrecken" bezeichnen. Die staatlichen Kreditgarantien werden strenge Auflagen wie das Verbot von Fabrikschließungen und Entlassungen mit sich bringen. Solche Maßnahmen verringern den Profit und werden renditehungrige Investoren zweimal über die Höhe ihres Engagements grübeln lassen. Opel trägt ein Preisschild - jetzt wird verhandelt.

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