MAN/Scania
Die Aktionäre könnten schlecht wegkommen

Der plötzliche Exodus in der Führungsriege des deutschen LKW-Herstellers während der letzten Wochen hat die Befürchtungen weiter angefeuert, dass Ferdinand Piëch, sowohl Aufsichtsratschef bei MAN, als auch bei dessen 29,9-prozentigem Großaktionär Volkswagen, die Gelegenheit ergreifen und das Unternehmen mit dessen schwedischem Konkurrenten Scania verschmelzen wird. Dabei könnten die Minderheitsaktionäre schlecht wegkommen.
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Die MAN-Aktionäre sind nervös. Der plötzliche Exodus in der Führungsriege des LKW-Herstellers während der letzten Wochen hat die Befürchtungen weiter angefeuert, dass Ferdinand Piëch, sowohl Aufsichtsratschef bei MAN, als auch bei dessen 29,9-prozentigem Großaktionär Volkswagen, die Gelegenheit ergreifen und das Unternehmen mit dessen schwedischem Konkurrenten Scania verschmelzen wird. Dabei könnten die Minderheitsaktionäre schlecht wegkommen.

VW hat nie einen Hehl aus seinem Wunsch nach einer MAN/Scania-Kombination gemacht. Der Konzern besitzt bereits knapp 50 Prozent von Scania, während MAN selbst weitere 13,4 Prozent aus einem fehlgeschlagenen Kaufversuch in 2006 hält. Erst kürzlich erwähnte Piëch mögliche Synergien aus einem Schulterschluss in Höhe von etwa einer Milliarde Euro.

Der plötzliche Abgang von MAN-Chef Hakan Samuelsson lässt einen Handel wahrscheinlicher erscheinen. Samuelsson befürwortete in der Vergangenheit eine Fusion mit Scania, verwarf die Idee aber nach dem fehlgeschlagenen Übernahmeversuch.

Mit einigem Verhandlungsgeschick könnte VW nun die effektive Kontrolle über die MAN/Scania-Union bekommen, ohne in die Kasse greifen oder ein komplettes Übernahmeangebot an eine der beiden Firmen aussprechen zu müssen. Als ersten Schritt müsste MAN seiner deutschen Mutter neue Anteile im Gegenzug für die Scania-Aktien des Autoherstellers anbieten. Sollte MAN Aktien im Wert von 3,62 Mrd. Euro (5,39 Mrd. Dollar) ausgeben, um VWs Anteil an Scania für 96 SEK pro Aktie zu übernehmen, besäße VW nach Angaben der BHF Bank 52,2 Prozent von MAN. Deutschen Übernahme-Regularien zufolge müsste VW anschließend auch ein Angebot für MANs Minderheitsanteile unterbreiten. Der angebotene Preis würde sich anhand einer Formel errechnen, die auf dem durchschnittlichen Aktienpreis der MAN-Papiere innerhalb der vorhergegangenen drei Monate basiert. Die MAN-Aktionäre würden solch ein Angebot wahrscheinlich ablehnen, VW somit die Kontrolle behalten.

Wenn sich die Synergien nach Piëchs Plan entwickeln, könnten sich die anderen Aktionäre von MAN einer moderaten Wertsteigerung ihrer Papiere erfreuen. Sollten sie aber der erforderlichen Aktienemission zustimmen, übergäben sie VW die effektive Kontrolle, ohne dafür eine Prämie zu erhalten. Will VW ihre Zustimmung erhalten, muss der Konzern erst noch beweisen, was für sie rausspringt.

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