MAN/Scania
MAN geht über Bord

Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender von VW, könnte es zulassen, dass der schwedische Lastwagenbauer Scania den Konkurrenten MAN kauft. VW ist der größte Einzelaktionär bei beiden Unternehmen. MAN aufzugeben, könnte deutsche Empfindlichkeiten treffen – aber darüber muss sich Piech keine großen Sorgen mehr machen.

Die Räder der Macht drehen sich auf dem Lastwagensektor. Und wie üblich wird einer dabei wahrscheinlich am Ende zerquetscht. Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender von VW und Spross der Gründerfamilie Porsche, will es angeblich zulassen, dass der schwedische Lkw-Bauer Scania den deutschen Konkurrenten MAN übernimmt. VW ist der größte Einzelaktionär bei beiden Unternehmen. Ein Verkauf von MAN wird möglicherweise deutsche Empfindlichkeiten treffen - aber darüber muss sich Piech keine großen Sorgen mehr machen.

MAN und Scania hatten unabhängig voneinander über einen Zusammenschluss nachgedacht, nachdem ein feindlicher Übernahmeversuch durch MAN fehlgeschlagen war. Aber es gab Hindernisse auf beiden Seiten. Die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg, die effektiv mit 30 Prozent an Scania beteiligt ist, wollte nicht, dass der Lkw-Hersteller an die Deutschen ging. Und auch VW wollte seinen Anteil von 30 Prozent an MAN nicht an die Schweden verkaufen. VW fürchtete vor allem die Reaktionen der Gewerkschaften.

Was hat sich geändert? Für Investor AB, das Unternehmen der Wallenberg-Familie, nicht viel - für Piech umso mehr. Er hat sich in diesem Jahr den Vorsitz im Aufsichtsrat von MAN gesichert. Damit wird er in Zukunft mehr zu sagen haben. Und er hat seine Macht bei VW ausgebaut. Porsche, wo Piech als heimliche Macht hinter dem Thron fungiert, hatte eine formale Besonderheit des deutschen Übernahmegesetzes ausgenutzt und bei VW die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent der Aktien überschritten, ohne eine Offerte für den Autobauer vorlegen zu müssen, die eine Chance auf Annahme durch die Aktionäre gehabt hätte. Jetzt kann Porsche nach und nach die volle Kontrolle bei VW übernehmen.

MAN Scania zu überlassen, könnte jedoch die Gewerkschaften in Deutschland in Rage bringen. Aber Piech hat VW jetzt dort, wo er das Unternehmen haben wollte - zum großen Teil dank der Unterstützung genau dieser Gewerkschaften. Er dürfte sich also keine allzu großen Sorgen machen.

Tatsächlich sieht es so aus, als habe Piech keine Angst, die Gewerkschaftsbosse zu verärgern, die bei VW traditionell eine besonders starke Stellung innehaben. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, hatte gewarnt, es gebe keine heiligen Kühe bei VW. Bei der geplanten Holding von Porsche und VW sollen die verschreckten VW-Mitarbeiter nur noch rudimentär repräsentiert sein.

Für den 70-jährigen Piech wäre ein Zusammengehen von Scania mit MAN ein schönes Ergebnis. VW könnte sein unterentwickeltes Lkw-Geschäft aufgeben. Damit wäre das Unternehmen nur noch ein schlanker Autobauer, den Porsche bequem schlucken könnte. Piech wäre dann der Königsmacher für ein deutsches Auto-Imperium mit einem Jahresumsatz von über 100 Mrd. Euro. Und er hätte einen ordentlichen Gewinn aus den Beteiligungen von VW an MAN und Scania geschlagen, die beide um über 50 Prozent nach oben geschossen sind, seitdem er mit seinen Machenschaften begonnen hat.

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