Managervergütung
Das Ende der Boni

Der Populismus setzt sich durch: die Boni für Wall Street-Banker werden drastisch gekürzt. Die Folgen sind fatal. Institute wie Morgan Stanley erhöhen jetzt die Fix-Gehälter. Ohne eine flexible Vergütung können die Personalkosten in der nächsten Krise aber nicht nach unten angepasst werden.
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Gesetzgeber und Volk haben ihren Willen durchgesetzt: Der Wall Street-Bonus stirbt einen langsamen Tod. Doch das muss nicht unbedingt nur positiv sein. Zwar sind die Boni in den vergangenen üppigen Jahren zu einer Art des gefährlichen Anspruchs mutiert. Doch das auf die Steigerung der Leistungsbereitschaft abzielende Vergütungssystem, wie es in der Finanzbranche üblich war, hatte viele Vorzüge.

Diese werden nun in Reaktion auf Schritte der Aufsicht und der Gesetzgeber über Bord geworfen. Ein Großteil der neuen politischen Agenda, wie etwa der Zusatz zu den Stützungsmaßnahmen von US-Präsident Obama vom Februar, ist eindeutig populistisch angehaucht. Diese Ergänzung zwingt die Banken, die das Troubled Asset Relief Programme in Anspruch nehmen, die Boni ihrer Spitzenverdiener auf höchstens ein Drittel der Gesamtvergütung zu beschränken.

In Großbritannien hat die Branchenaufsicht Financial Services Authority argumentiert, dass "das Festgehalt einen ausreichend hohen Anteil an der Gesamtvergütung erreichen soll, so dass das Bonussystem flexibel gehandhabt werden kann". Das Problem bei diesen Reformen ist, dass sie einen Anreiz für die Finanzfirmen schaffen, die Grundgehälter anzuheben, um so die verloren gegangenen Boni auszugleichen. Und genau dies passiert jetzt auch.

Ende der vergangenen Woche teilte Morgan Stanley mit, die Grundgehälter der Co-Präsidenten der Bank würden um ein Drittel auf 800 000 Dollar im Jahr angehoben. Auch für die Chief Financial, Chief Administrative und Chief Legal Officers ist eine Gehaltserhöhung auf jeweils 750 000 Dollar vorgesehen.

Morgan Stanley ist nicht die erste Firma, die das Grundgehalt erhöht. Auch die UBS hat ihren Bankern schon angedeutet, ihre Basisentlohnung würde steigen. Und die Entscheidung von Morgan Stanley wird sich wahrscheinlich auch auf die Bezahlung von Tausenden ihrer Managing Directors auswirken.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Anreize, die die Wall Street-Firmen während des Booms gewährten, aus den Fugen geraten waren. Banker und Händler wurden oft im Voraus für Deals bezahlt, die später den Aktionären, und letztendlich den Steuerzahlern, teuer zu stehen kamen. Derartige Bonussysteme sollten sicherlich abgeschafft werden.

Aber "Bonus" ist kein Schimpfwort. Idealerweise motivieren derartige Zusatzzahlungen und belohnen außerordentliche Leistungen einzelner Mitarbeiter. Sie fungieren als eine Art Gewinnbeteiligung und räumen den Finanzunternehmen eine große Flexibilität bei der Steuerung ihrer Kosten ein. Wenn die Zeiten hart sind, können die Gesamtvergütungskosten gekürzt werden.

Gehälter hingegen sind unflexibel und nur schwer abzuändern. Eine Verlagerung weg von der variablen und hin zur festgelegten Vergütung unterminiert einige der positiveren Aspekte des Wall Street-Modells. Die Branchenwächter wären besser beraten, sich auf Lösungen zu konzentrieren, wie man Boni an echte Leistung knüpfen kann, die über mehrere Jahre hinweg gemessen wird. Bevor die Gehälter auf breiter Front nach oben schießen werden - zum Nachteil der Aktionäre und natürlich auch wieder zum Schaden der Steuerzahler.

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