Markt für Erfrischungsgetränke
Blackstone Orangina: Ein spritziger Deal

Die japanische Suntory könnte Blackstone und Lion Capital angeblich mehr als 2,6 Mrd. Dollar für Orangina zahlen. Suntory wäre der vierte Besitzer der französischen Getränkemarke mit Kultstatus innerhalb von acht Jahren. Orangina mag zwar nicht schnell wachsen. Aber da der japanische Getränkemarkt schrumpft, könnten die Beteiligungsgesellschaften einen prickelnden Preis erzielen.
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Irgendwo bläht sich immer eine Blase auf. Momentan scheint dies vor allem auf dem Markt für Erfrischungsgetränke der Fall zu sein. Intensives Interesse seitens japanischer Käufer hat den US-Beteiligungsgesellschaften Blackstone Group und Lion Capital die Chance eröffnet, Orangina zu verkaufen. Die französische Kultmarke könnte ihnen 2,6 Mrd. Dollar einbringen. Dies würde dem Preis entsprechen, den die Private Equity-Firmen 2006 für den Limonadenhersteller gezahlt haben.

Orangina mag einen guten Namen haben, ein großartiger Vermögenswert ist die Firma aber nicht gerade. Die skurrile Werbung für die Marke hat dazu beigetragen, dass die Franzosen weiterhin zu den seltsam geformten Limonadenflaschen greifen. Doch die Konsumenten in anderen Ländern haben sich dem Charme des Getränks mit Orangengeschmack im Allgemeinen entzogen. Insgesamt hat Orangina nicht viel Wachstum vorzuweisen. Das war auch der Grund, warum Pernod Ricard den Bereich 2001 an die britische Cadbury Schweppes verkauft hat, die ihn wiederum an seine derzeitigen Private Equity-Eigentümer weitergereicht hat.

Orangina ist das Urbild des Private Equity-Assets: Die Firma verfügt über eine Menge Cash, aber über nur wenige gute Möglichkeiten, ihn zu investieren. Ein notiertes Unternehmen wäre kein geborener Sachwalter für sie.

Doch langsames Wachstum ist besser als gar keines. Der japanische Brauer Suntory, der die Offerte für Orangina anführt, steht auf seinem Heimatmarkt rückläufigen Bevölkerungszahlen gegenüber. Dies erklärt unter anderem auch, warum Suntory Gespräche mit dem Branchenkonkurrenten Kirin über eine defensive Fusion führt.

Die äußerst schwachen Aussichten für den japanischen Markt verdeutlichen auch, warum japanische Getränkehersteller bereit sind, üppige Preise für ausländische Erfrischungsgetränkeproduzenten mit niedrigem Wachstum zu berappen. Asahi zahlte Anfang dieses Jahres über 800 Mill. Dollar für das australische Softdrink-Geschäft von Cadbury - ein berauschendes Vielfaches von mehr als dem 15fachen des vergangenen Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Suntory wiederum kaufte 2008 Frucorp von Danone und ließ sich den in Auckland ansässigen Produzenten von Energydrinks 1,3 Mrd. Dollar kosten. Das entsprach fast dem 13fachen des zurückliegenden Ebitda.

Genau wie in den achtziger Jahren, als sich japanische Unternehmen über den gesamten Globus verteilten, scheinen sich die Aktionäre nicht allzu viel daraus zu machen, zu viel zu zahlen. Es ist sogar denkbar, dass ein plötzlich wieder aktiverer Markt für Fusionen und Akquisitionen dazu führen könnte, dass westliche Käufer wie Pepsico neugierig werden.

Die Bedingungen könnten kaum besser sein, um sich aus Orangina zurückzuziehen. Das wird Blackstone und Lion erfrischen, die bereits eine Dividende über 400 Mill. Euro entnommen haben und von einer Finanzierung profitierten, deren Kreditklauseln als "light" zu bezeichnen waren. Wie süß doch das Geschäft mit der Brause immer noch sein kann.

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