Marktbarometer
Grüne Triebe mit schwachen Wurzeln

Der "Green Shoots Spotter" von Breakingviews.com hat sich von seinem Tiefpunkt in der vergangenen Woche wieder erholt. Nach wie vor aber gibt es nur vereinzelt Hinweise auf eine globale Konjunkturerholung. Aus dem Nachrichtenstrom lassen sich weiterhin bestenfalls Belege dafür finden, dass die Meldungen langsam etwas weniger düster ausfallen.
  • 0

Es war die Woche, in der die Rallye wieder dramatisch ins Stolpern geriet - begründet. Breakingviews.coms "Green Shots Spotter" erreichte gerade einmal 2 von 5 möglichen Punkten. Damit lag der Indikator zwar wieder leicht über dem Tief von 1,8 in der Vorwoche, zeigte damit aber bestenfalls dass die wirtschaftliche Situation etwas weniger schlecht aussieht.

Um es noch einmal zu wiederholen, der Index versucht die Richtung der konjunkturellen Entwicklung zu erfassen. Dazu beurteilt er eine bestimmte Mischung aus Wirtschaftsdaten, Unternehmens- und Finanznachrichten und vergibt dabei Noten von 1 ("immer noch schwerwiegende Probleme") bis 5 ("schnelle wirtschaftliche Erholung"). In dieser Woche wurden 30 Nachrichten für wert befunden, berücksichtigt zu werden.

Dabei waren es vor allem Baisse-Indikatoren, die für Schlagzeilen sorgten. Die Rating-Agentur S&P warnte davor, dass Großbritannien sein Tripple-A-Kreditrating verlieren könnte und versetzte damit dem gerade wiedererstarkten Pfund Sterling einen Seitenhieb. Der frühere Chef der US-amerikanischen Federal Reserve, Alan Greenspan, warnte, dass das Bankensystem immer noch mit schwerwiegenden Finanzierungsproblemen zu kämpfen habe. Positiv schlug dagegen zu Buche, dass der Markt für Neuemissionen wieder Lebenszeichen von sich gibt und dass der Libor - das bevorzugte Vertrauensbarometer während der Kreditkrise - weiter sinkt.

Seitdem der GSS-Index berechnet wird, schwankt er zwischen 1,8 und 2,1 Punkten. Eine klare Richtung lässt er noch nicht erkennen. Wenn es also erste grüne Triebe geben sollte, so sind ihre Wurzeln noch sehr schwach.

Immer noch schwerwiegende Probleme (1 auf der GSS-Skala)

Singapurs Exporte ohne Öl fielen im April im Jahresvergleich um 19,2 Prozent und damit noch einmal stärker als im März, als der Rückgang 17 Prozent betrug. (18. Mai)

Die Pfändungen auf dem britischen Eigenheimmarkt sprangen zwischen Januar und März um mehr als 50 Prozent nach oben. (18. Mai)

Die notleidenden Kredite in Spanien erreichten im März 4,26 Prozent - den höchsten Stand seit 1996. (19.Mai)

Im ersten Quartal befanden sich 5,60 Prozent der privaten und gewerblichen Immobilienkredite bei US-Banken im Verzug. Im 4. Quartal lag der Anteil der ausstehenden Zahlungen noch bei 4,64 Prozent. (19. Mai)

Die US-Baubeginne fielen im April im Monatsvergleich um 12,8 Prozent auf einen neuen Tiefstand von 458.000. (20. Mai)

Japans Wirtschaft schrumpfte im 1. Quartal um den Rekordwert von 4 Prozent. (20. Mai)

Volvo lieferte im Jahresvergleich 63 Prozent weniger Lkws aus. (20. Mai)

In Großbritannien sank die Inflationsrate im April auf 2,3 Prozent. Im März lagen die Preise noch um 2,9 Prozent über ihrem Vorjahresniveau. Damit erreichte die Preissteigerungsrate das geringste Niveau seit Januar 2008. (20. Mai)

S&P setzte Großbritannien auf die Beobachtungsliste für eine mögliche Herabstufung des AAA-Ratings. (21. Mai)

Das Hypothekenvolumen in Großbritannien sank auf der Basis der Bruttovergaben im April auf geschätzte 10,4 Milliarden Pfund. Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vormonat um 9 Prozent, gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent. (21. Mai)

Alan Greenspan sieht die Finanzkrise noch nicht am Ende und warnt, dass US-Banken noch große Mengen Kapital benötigen: "Die Banken haben noch immer einen sehr hohen Kapitalbedarf, dessen Finanzierung noch nicht gesichert ist." (21. Mai)

Vertreter der Federal Reserve zeigten sich noch nicht überzeugt, dass die "Stabilisierung" der US-Wirtschaft von Dauer sein wird. (21. Mai)

Die weltweite Stromnachfrage wird 2009 voraussichtlich um 3,5 Prozent fallen, der erste Rückgang seit 1945. (22. Mai)

BankUnited war die 34. FDIC-versicherte Institution, die in diesem Jahr in Konkurs ging. (22. Mai)

Seite 1:

Grüne Triebe mit schwachen Wurzeln

Seite 2:

Kommentare zu " Marktbarometer: Grüne Triebe mit schwachen Wurzeln"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%