Marsh on Monday
Berlusconi-Baisse

Dem neu-alten italienischen Premierminister kommt die Devisenmarktentwicklung sehr zupass. Rechtzeitig zur Amtsübernahme von Silvio Berlusconi setzt das Ende des lang andauernden Euro-Höhenflugs zum Dollar ein.
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Der schon drei Wochen andauernde Rückgang des Euro-Kurses liegt im Interesse eines besseren weltweiten ökonomischen Gleichgewichts. Und nun sieht es fast so aus, als ob sich Berlusconi die Währungskorrektur auf seine Fahne schreiben darf. Hat er nicht während seiner Wahlkampagne eine Senkung des Euro-Kurses gefordert, um die italienischen Exporteure zu beflügeln? Und, siehe da, kaum hat er seinen Amtseid abgelegt, da sackt der Euro-Kurs leise, aber kontinuierlich ab.

Mit segensreichen Folgen. Eine allmähliche Stärkung des Greenbacks kommt fast allen entgegen. Mit seltener Einstimmigkeit bekennen sich auch die amerikanische Federal Reserve und das US-Treasury zu den Vorteilen einer stärkeren US-Währung. Nachdem durch die bisherige Dollar-Abwertung die amerikanische Ausfuhr stimuliert worden ist, können die USA jetzt die Inflationsbefürchtungen dämpfen. Ein schwächerer Euro ist auch im Interesse der Europäischen Zentralbank. Ein moderates Absinken des Wechselkurses kommt einer monetären Entlastung gleich, die den politischen Druck zur Zinssenkung reduziert. Nicht nur die südeuropäischen Länder begrüßen eine Euro-Verbilligung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in letzter Zeit angedeutet, dass ein überstarker Euro den bislang robusten deutschen Exportmotor ins Stottern bringen kann.

Dass der Euro vom einstigen Höchststand von mehr als 1,60 Dollar weiter absinkt, gilt als ausgemacht. In den vergangenen Jahren wurden solche Kurskorrekturen durch massive Notenbankinterventionen oder medienwirksame Währungskonferenzen herbeigeführt. Jetzt aber, da erneut ein versierter Fernsehzar an der Spitze der drittgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums steht, sind solche Maßnahmen natürlich nicht mehr nötig. Nach der Reinthronisierung Berlusconis kann die europäische Wechselkurspolitik medienstark nicht aus Frankfurt oder Brüssel, sondern aus Rom gemacht werden! Setzt sich die Berlusconi-Baisse weiterhin fort, dann wissen die Europäer, dass sich ihr Geld in sicheren Händen befindet.

David Marsh ist Berater und Banker in London.

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