Marsh On Monday
Browns Menetekel

Premierminister Gordon Brown stellt sich für City-Beobachter als tragische Figur dar. Zum ersten Mal, seitdem die Labour-Partei an die Macht gekommen ist, durchläuft Großbritannien eine Periode der "Stagflation". Die Volkswirtschaft tritt auf der Stelle, die Preissteigerung zieht an. Für Brown erscheint das Menetekel an der Wand.
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HB. Der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, mahnt, die Leitzinsen würden aufgrund einer Inflationsrate weit über der Zielmarke von zwei Prozent doch nicht so schnell sinken. Der bewusst unabhängig auftretende Notenbankchef ist gerade Ende Januar durch Brown für weitere fünf Amtsjahre bestellt worden. Dem Regierungschef wird dies keineswegs mit Dankbarkeit quittiert, sondern mit der Nachricht, dass die Wirtschaftsperspektiven weit schlimmer sind, als von der Regierung propagiert.

Brown hat sich in diese Lage sich selbst manövriert. Als langjähriger Schatzkanzler unter Tony Blair war er für das fehlerhafte Bankenaufsichtssystem verantwortlich, das erheblich zum Missmanagement der Affäre um den maroden Hypothekenanbieter Northern Rock beigetragen hat. Der einst als Geldgenie gefeierte Brown hat versäumt, die Erlöse aus den fetten Jahren des Wirtschaftswachstums in nachhaltige Verbesserungen des Wirtschafts- und Sozialsystems anzulegen. Jetzt zahlt Brown die Zeche. Aufgrund der erzwungenen Übernahme der Northern-Rock-Schulden klettert die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand um 6,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Damit wird das von Brown selbst erfundene Limit für die Staatshaushalte in Höhe von 40 Prozent des BIP drastisch überschritten.

Politisch kommt die Quittung erst bei den Parlamentswahlen in zwei Jahren. Bereits jetzt droht Brown das Schicksal der beiden Amtsvorgänger der letzten 30 Jahre, die als ehemalige Schatzkanzler das Amt als Premierminister übernommen hatten: James Callaghan und John Major. Die beiden Politiker, einst als Hoffnungsträger gepriesen, wurden nach krisenhaften Dienstzeiten schlicht und ohne Dank abgewählt. Alle drei Fälle erinnern an das Beispiel von Ludwig Erhard. Wenn Wirtschaftsminister in die Fußstapfen des Regierungschefs treten, steht ein glückloses Ende bevor.

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