Marsh on Monday
Die Banken der City unterlaufen gut gemeinte Reformvorschläge

Die britische Regierung lässt Experten beraten, aber die arbeiten viel zu langsam und werden daher nichts ausrichten.
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Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee: Um Effizienz und Rentabilität des Bankensystems zu verbessern, hat die neue britische Regierung eine Expertenkommission gegründet, die eine mögliche Aufspaltung der Banken in Kapitalmarkt- und Privatkundenaktivitäten untersuchen soll. Mit dieser Maßnahme könnte man die Banken verkleinern, Risiken eingrenzen und die Gefahr von Zusammenbrüchen reduzieren.

Unter der Leitung des ehemaligen Bank-of-England-Volkswirts John Vickers wurden gescheite Leute zusammengeholt wie Martin Taylor und Bill Winter, die vorher leitende Funktionen bei Barclays Bank und JP Morgan ausgeübt hatten, Clare Spottiswoode, die sich einen Namen als Chef-Regulatorin im Gassektor gemacht hatte, sowie Martin Wolf, der kluge Artikel für die „Financial Times“ schreibt. Die Gruppe wird bis September 2011 ihre Thesen zusammenfassen und eine grundlegende Neuausrichtung der Finanzbranche empfehlen.

Dabei gibt es leider ein kleines Problem: Die Banken sind dabei, sich ihre eigenen Gesetze zu schaffen. Die Kommission arbeitet viel zu langsam. Die Ergebnisse, so intelligent und wohlüberlegt sie sein mögen, könnten bei ihrer Vorlage bereits Makulatur sein.

Aus plausiblen Gründen wurde den Kommissionsexperten ein Maulkorb gegeben. Aber einige Mitglieder hatten bereits vor ihrer Ernennung keinen Hehl aus ihrer Überzeugung gemacht, dass die Banken aufgeteilt werden müssten. Dies deckt sich mit Äußerungen des Gouverneurs der Bank of England, Mervyn King, der für die Aufspaltung plädiert hat.

Den britischen Banken ist ihre bedrohliche Lage bewusst. Deshalb bauen sie an diversen Schutzmechanismen. Letzte Woche haben die beiden größten und profitabelsten Institute, Barclays und HSBC, ihre Karten auf den Tisch gelegt. Barclays ernennt Bob Diamond, den erfolgsgewohnten Chef der Investment-Banking-Sparte Barclays Capital, zum neuen Vorstandsvorsitzenden, um die jetzige Nummer eins, John Varley, zu ersetzen. Die Koalitionsregierung aus konservativer und liberaler Partei reagiert irritiert auf den Schachzug, empfindet ihn als einen blanken Versuch, möglichen Vorschlägen der Bankenkommission zuvorzukommen. Denn Diamond macht sich sehr für das Modell einer integrierten Universalbank stark. Im Falle einer Empfehlung für die Aufspaltung würde er nicht davor zurückschrecken, den juristischen Sitz des Traditionshauses Barclays ins Ausland zu verlegen. Für Großbritannien würde dies einen verheerenden Imageverlust und milliardenschwere Steuerausfälle verursachen.

Parallele Überlegungen werden beim HSBC-Konzern angestellt, der bereits über ein starkes Standbein in Hongkong verfügt. Letzte Woche kündigte er den Abgang seines Präsidenten Stephen Green an, dem ein Posten als Handelsminister innerhalb der Koalitionsregierung anvertraut wird. Damit heizt HSBC die Spekulation an, der schon in Hongkong residierende Vorstandsvorsitzende Michael Geoghegan werde noch mehr aufgewertet, was eine Sitzverlagerung nach Asien erleichtere.

Vince Cable, der liberale Wirtschaftsminister, der vor den Parlamentswahlen die Banken heftig angegriffen hat, signalisiert bereits Kompromissbereitschaft. Möglicherweise könnte die Trennung verschiedener Bankenaktivitäten auf flexible Weise verwirklicht werden, räumte er letzte Woche ein. Inzwischen geht die Kommissionsarbeit weiter. Aber vieles deutet darauf hin, dass die Ergebnisse in einem Jahr längst von der Realität überholt sein werden.

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