Marsh on Monday
Die Luft wird dünner

Ernüchternde Zeiten im britischen Luftfahrtsektor: Am Flughafen Heathrow herrscht Chaos und konjunkturbedingt gehen die Business-Fluggäste zurück. Doch zumindest für die ehemaligen Aktionäre des nationalen Flughafenbetreibers BAA gibt es gute Nachrichten.
  • 0

Ernüchternde Zeiten im britischen Luftfahrtsektor. Chaotische Zustände am Flughafen Heathrow. Konjunkturbedingter Rückgang der Business-Fluggäste. Weniger touristische Auslandsreisen wegen des schwachen Pfunds. Aber: Erfreulich für die ehemaligen Aktionäre des nationalen Flughafenbetreibers BAA, dass der Konzern im Juni 2006 mitten in der Aktienhausse zu einem weit überhöhten Kurs von 9,50 Pfund pro Aktie von der spanischen Infrastrukturgesellschaft Ferrovial zu einem Börsenwert von zehn Milliarden Pfund übernommen wurde.

Der Erwerb wurde hauptsächlich durch Kredite finanziert. Jetzt steht die Refinanzierung an - für BAA die Stunde der Wahrheit. Nun teilt sich BAA-Ferrovial zusammen mit British Airways die Verantwortung für die kostspieligen Schwierigkeiten am neuen Terminal fünf in Heathrow. Management-Fehler, die den notleidenden, hochverschuldeten Infrastrukturriesen teuer zu stehen kommen. Am Londoner Finanzmarkt versucht BAA mit Hilfe eines Refinanzierungspakets von elf Milliarden Pfund der Kreditkrise zu trotzen. Bisher ohne berauschenden Erfolg. Um den enorm gestiegenen Schuldendienst zu tilgen, könnte BAA dazu gezwungen werden, mit Flughafenveräußerungen das Portfolio zu straffen.

Die Refinanzierungsschwierigkeiten ereignen sich gerade zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Aufgrund einer durch relativ niedrigen Euro-Zinsen herbeigeführten Überhitzung der Bauaktivität hat Spanien eine Konjunkturblase erlebt, die jetzt infolge der allgemeinen Kreditkrise einer abrupten wirtschaftlichen Verlangsamung gewichen ist.

Die Bonität Spaniens hat sich im Verlauf der letzten Monate schlagartig verschlechtert. Das Land weist ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf. Dies muss durch Kapitalimporte der spanischen Banken und Unternehmen beglichen werden. In letzter Zeit hat die Europäische Zentralbank massiv teilweise dubiose spanische Bankschuldverschreibungen als Sicherheiten für Ausleihungen genommen. Eine wichtige Liquiditätshilfe für die spanische Volkswirtschaft. Ob dies ausreicht? Falls sich künftig aufgrund mangelnden Kapitals das Dienstleistungsangebot bei den Londoner Flughäfen weiterhin verschlechtert, dann könnten die englischen Fluggäste den Sündenbock finden. Der zu Übertreibungen verleitende Euro ist daran schuld.

Kommentare zu " Marsh on Monday: Die Luft wird dünner"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%