Marsh on Monday
Gerhard Schröder war der Koch

Die Politik des ehemaligen Kanzlers hat tiefe Spuren hinterlassen - in denen wir bis heute wandeln.
  • 1

Der deutsche Aufschwung geht auf die Politik Gerhard Schröders zurück. Der Verursacher des Verfalls des Stabilitäts- und Wachstumspakts heißt ebenfalls Schröder. Der Prophet des alarmierenden Wachstumsgefälles innerhalb der Währungsunion, das dem Euro-Raum 2011 weitere Krisen bescheren wird, ist, schon wieder, Gerhard Schröder.

Zu viel Ruhm für einen ehemaligen Bundeskanzler, der bereits vor fünf Jahren das Steuer an Angela Merkel abgegeben hat? Eigentlich nicht. In all den angeführten Fällen lässt sich nachweisen, dass der ehemalige Chef der rot-grünen Koalition hier maßgeblich mitgewirkt hat.

Betrachten wir zuerst die bemerkenswert robuste konjunkturelle Erholung in Deutschland. Teilweise ist dies sicherlich eine Reaktion auf den fast fünfprozentigen Rückgang des Bruttosozialprodukts im vergangenen Jahr. Aber auch Italien und Großbritannien erlitten 2009 einen ähnlichen Abschwung und erleben jetzt keineswegs eine solche Verbesserung wie Deutschland.

Die Grundlagen für die Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft sind zweifelsfrei von Frau Merkels Vorgänger gelegt worden. Die Agenda 2010 zur Wiederherstellung der ökonomischen Handlungsfähigkeit trug Schröders Handschrift. Vor allem die Erfolge der mäßigen Lohnentwicklung und der Reduzierung der industriellen Nebenkosten kann Schröder auf seine Fahne schreiben. Beide Faktoren wirkten wie eine ökonomisch-psychologische Vorbereitung auf die Härte der Rezession. Ohne sie wäre Deutschland nie imstande gewesen, sich so schnell wieder zu erholen.

Aber auch ein Misserfolg – das Außerkraftsetzen des in den 90er-Jahren von den Deutschen erfundenen Stabilitäts- und Wachstumspakts – geht auf das Konto Schröders. Zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac weigerte sich Schröder, als „Defizitsünder” die eigentlich fälligen Strafzahlungen an die EU-Behörden zu leisten – mit dem süffisanten Hinweis, Deutschland habe bereits ausreichend Opfer für die Währungsunion gebracht. Somit wurde der für die Stabilität des Euros notwendige Mechanismus zur Bändigung der Haushaltsungleichgewichte nicht von den kleinen, sondern von den größten Mitgliedsländern ausgehebelt.

Beim dritten Thema, der größer werdenden Kluft in der Wirtschaftsleistung zwischen den Nord- und Südländern der Währungsunion, war Schröder ebenfalls maßgeblich beteiligt. Hinzu kommt, dass er diese Entwicklung bereits vor zwölf Jahren präzise vorhergesagt hat.

Schröders Politik zur Wiederbelebung der alten teutonischen Tugend der Preisstabilität und seine Fokussierung auf den Export haben die wirtschaftliche Verwundbarkeit der anderen Europäer brutal offengelegt. In einem Gespräch, das ich im Frühjahr 1998 mit Schröder führte, kurz bevor er Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten wurde, hatte er eine Stärkung der deutschen Wirtschaftsdominanz in Europa durch die Einführung des Euros vorausgesagt.

Die Gründe, die er damals anführte? Die neue Währung würde zur Schwäche tendieren, was den Export begünstige. Gleichzeitig würden die Deutschen ihre Kosten drücken und dabei einen großen und nicht mehr umkehrbaren Konkurrenzvorsprung gegenüber Ländern erreichen, die dann nicht mehr abwerten könnten. Das mache es deutschen Unternehmen leichter, ihren europaweiten Export anzukurbeln und auch schwächere Firmen in anderen Ländern zu übernehmen. Es ist selten, dass Politiker die Ergebnisse ihrer Politik mit solcher Präzision voraussagen.

So gesehen, wandeln wir immer noch auf den Pfaden, die Kanzler Schröder gebahnt hat.

Kommentare zu " Marsh on Monday: Gerhard Schröder war der Koch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Richtig und dazu gehört auch die Gewalt und Ausgrenzung von Frauen und Alleinerziehenden aus dem berufsleben.
    Da jeder der nach einem Jahr ALG1 bezug aus der Arbeitslosenhilfe herausfällt, diese bedeutet insbesondere Frauen mit Kindern fallen auch aus der gesetzlichen Sozialversicherugn heraus. Agenda 2010 wurde genutzt um Arbeitsplatzabbau mit massiver Gewalt und Schlägertrupps in den Unternehmen durchzusetzen. Gewalt gegen Frauen mit Kindern ist und bleibt beliebter Volkssport in Deutschen Unternehmen. Für diese zahlt in Deutschland niemand. Die Frauen mit Kindern sind wohlgeplant Ziel der Dezimierung der bevölkerung gewesen und unsere Wohlstandsgesellschaftsskinder tragen dieses Konzept hochbezahlt und als Doppelverdiener gut abgesichert voll mit. Mobbingattacken gegen Frauen mit kindern oder anderen Wirtschaftlich schlecht aufgestellte witrd zahlrweich unterstützt mit den wieder aufgelebten Naziarbeitsmethoden der Vergangenheit.

    Mariana mayer, alleinerziehend aufgrund von zahlreichen Mobbingattacken seit 6 Jahren arbeitslos, Krankenversicherung ist in diesen Fällen vom Kindergeld und Kindesunterhalt zu bezahlen, notfallls wird eben die Wohnung durchsucht und das Hausrecht gebrochen!
    Frauen qüälen frauen fertigmachen so agieren die Projektleiter in den Leiharbeitsunternehmen in Deutschland! Diese sitzen alle hochbezahlt in besten Pöstchen.
    Zahlreiche Frauen insbesondere mit kleinen Kindern wurde massive Gewalt bis hin zum tod und Entzug zum Arzt gehen zu können durchgesetzt. Das ist Deutschland durch Hartz4!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%