Marsh on Monday
Willkommen Bismarck!

Wahrscheinlich werden nicht wir, die gesättigten Industrieländer, die Welt der Zukunft gestalten, sondern die aufstrebenden Ökonomien. Umso merkwürdiger, dass die neuen Nationen, die wirtschaftspolitisch die Oberhand gewinnen dürften, unter einem Namen aus dem 19. Jahrhundert firmieren können.

Wahrscheinlich werden nicht wir, die gesättigten Industrieländer, die Welt der Zukunft gestalten, sondern die aufstrebenden Ökonomien. Umso merkwürdiger, dass die neuen Nationen, die wirtschaftspolitisch die Oberhand gewinnen dürften, unter einem Namen aus dem 19. Jahrhundert firmieren können. Jawohl, Fürst Otto von Bismarck meldet sich zurück. Der Strippenzieher hinter der ersten deutschen Vereinigung. Der Gründer des deutschen Sozialstaates.

Die Buchstaben geben den Ton an. B wie Brasilien, I wie Indien, S wie Südafrika, M wie Mexiko, A wie Saudi Arabien, R wie Russland, C wie China und K wie Korea ergibt Bismarck. Die Länder, auf die es ankommt.

Der namhafte Ökonom Ousmène Mandeng vom Londoner Fondsverwalter Ashmore hat das Akronym erfunden. Mandeng ist deutsch-kamerunischer Abstammung und hat zuvor beim Internationalen Währungsfonds (IWF) gearbeitet. Er plädiert für eine Reform des internationalen Währungssystem. Angetrieben durch die führenden Entwicklungsländer innerhalb der G20-Gruppe.

Nach Ansicht von Mandeng und anderen Wissenschaftlern, die für ein diversifizierteres Währungssystem plädieren, sollten die internationalen Notenbanken weniger auf den Dollar setzen. Die Zentralbanken aus Asien, aber auch die "alten" europäischen Notenbanken, müssten im Interesse der weltweiten Stabilität ihre Reserven umschichten und ihre Bestände an Währungen aus den aufstrebenden Märkten aufstocken. Dies setzt voraus, dass die betroffenen "Bismarck-Block" Länder die volle Konvertibilität ihrer Währungen umsetzen. Auch, dass diese Länder internationalen Notenbanken ein angemessenes Volumen an auf "emerging market"-Währungen lautenden Schuldtiteln zur Verfügung stellen. Etwa indem sie entsprechende Staatsanleihen begeben, die in den Währungsreserven gehalten werden.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat jüngst in Berlin ein "multi-currency"-System in Aussicht gestellt, in dem der chinesische Yuan neben dem Dollar und dem Euro eine größere Rolle übernehmen könnte. Möglicherweise werden wir im Jahre 2015 nicht nur den 200. Geburtstag des Eisernen Reichskanzlers feiern, sondern auch die Gründung einer neuen Bismarckschen Währungsordnung.

gastautor@handelsblatt.com

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