MBAs
Das haben sie nun davon

Die Kreditkrise sollte der Uni-Abschlussklasse ’08 dahingehend eine Lehre sein, dass ihre frisch erworbenen Titel sie zwar vielleicht an die Spitze bringen, aber keine Garantie dafür bieten, dass sie dort oben auch Erfolg haben. Die meisten Bankenchefs haben erstklassige Universitäten besucht. Aber ihnen wurde, wie den Aktionären auch, im vergangenen Jahr mehr durch die harte Schule des Lebens beigebracht.

Die momentane Finanzkrise sollte sich als lehrreich für die frisch gebackenen Absolventen von MBA-Studiengängen erweisen, die ihre Zeugnisse gerade mit Pomp und Prunk entgegennehmen. Ihre teuren neuen Uni-Titel mit bester Einkommensgarantie mögen sie wohl an die Spitze bringen, aber ob sie dort oben auch erfolgreich sind, steht auf einem anderen Blatt.

Betrachten wir doch einmal die gedemütigten Banken in aller Welt. Die meisten Männer, die mit ihrer Leitung betraut waren und sind, haben ihr Studium an erstklassigen Universitäten abgeschlossen. Ihre exklusive Ausbildung hat ihnen ohne Zweifel dabei geholfen, einen Fuß in die Tür zu kriegen. Im Lehrplan enthalten war ganz sicher auch das nötige Know-how, wie man die Karriereleiter in einem Unternehmen hochklettert. Aber sie haben im Seminarraum nicht genug darüber gelernt - oder wenn doch, dann konnten sie sich nicht mehr daran erinnern -, wie man den Krisen, die über sie hereingebrochen sind, ausweicht.

Natürlich muss man keine Elite-Ausbildung durchlaufen, um Geld zu verlieren und Shareholder Value zu zerstören. Business Schools aus der zweiten Reihe wie die University of Iowa, die Kerry Killinger von Washington Mutual besucht hat, Wake Forest mit dem Absolventen Ken Thompson von Wachovia und die University of Connecticut, an der Bob Diamond von Barclays Capital graduierte, haben genauso Chefs ins Trudeln geratener Banken hervorgebracht wie die besser beleumundete University of Chicago (Brady Dougan von Credit Suisse), die New York University (Dick Fuld von Lehman Brothers) und die Ecole Nationale d?Administration Publique (Daniel Bouton von Societe Generale).

Immerhin kann Harvard ein paar Bankenbosse für sich beanspruchen, die von der derzeitigen Krise am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen wurden: den Absolventen der juristischen Fakultät und Chef von Goldman Lloyd Blankfein, Peter Sands von Standard Chartered, der einen M.A. im Bereich Öffentliche Verwaltung hält und den mit einem MBA versehenen Jamie Dimon von JPMorgan. Aber dann wiederum schmückt sich auch der verstoßene Chef von Merrill Lynch, Stan O?Neal, mit dem purpurroten H, dem Kennzeichen der Ivy League-Schule.

Eindrucksvolle Abschlüsse und Uni-Referenzen haben auch Chuck Prince von Citigroup (Georgetown) und Phil Purcell von Morgan Stanley (University of Chicago) nicht von Ungemach verschont. Aber sich vor dem Vorlesungssaal gleich ganz zu drücken, scheint auch kein Erfolgsrezept zu sein. Weder James Cayne noch Marcel Ospel, auf deren Konto zwei der größten Katastrophen gehen - bei Bear Stearns und bei UBS -, waren jemals auf der Uni.

Sicher, mit der Zeit verblassen die meisten Lektionen aus dem Lehrsaal ohnehin. Aber wenn man auf Kurse wie Geschichte der spekulativen Blasen, Elemente des Kapitals oder Strukturierte Finanzprodukte für Anfänger hätte zurückgreifen können, hätte das gewiss nicht geschadet. Albert Einstein allerdings hat einmal Bildung als das definiert, was übrig bleibt, wenn man alles in der Schule Gelernte vergessen hat.

Daran gemessen, haben die meisten Bankenchefs wohl nach ihrem Hochschulabgang nicht mehr genug in ihre Bildung investiert. Die harte Schule des Lebens allerdings stand sowohl den Finanztitanen der Zukunft wie auch den Aktionären offen. Vielleicht haben sie alle ja das eine oder das andere daraus gelernt.

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