MBIA
Der Trick mit dem Vertrauen

Eine Liquiditätsspritze von Warburg Pincus über eine Mrd. Dollar hat den freien Fall der MBIA-Aktien abgefangen. Ob das ausreicht, um den Spezialanbieter über die Kreditkrise zu bringen, ist unklar. Aber in einem Geschäft, in dem das Vertrauen des Marktes den Ausschlag gibt, könnte ein profilierter Unterstützer mehr wert sein als Liquidität.

Neues Kapital über eine Mrd. Dollar – das hört sich nach einer ganzen Menge an. Bis man erkennt, dass das Geld unter Bond-Garantien über mehr als 600 Mrd. Dollar eingekeilt ist. Mit der Entscheidung von Warburg Pincus, bis zu eine Mrd. Dollar in MBIA zu investieren, verdoppelt sich die Überschussreserve des Bond-Versicherers nahezu. Der Deal könnte dazu beitragen, dass MBIA ihre erstklassige Bonitätsbewertung von „AAA“ behalten kann. Aber der wahre Wert des Engagements – in einer Branche, die in einzigartiger Weise von dem Vertrauen der Kunden und Gegenparteien abhängig ist – liegt darin, dass es als Vertrauensbeweis gewertet werden kann.

Ganz sicher fungierte die Ankündigung auch als willkommener Feuerschutz, denn MBIA hat gleichzeitig bekannt gegeben, eine umfangreiche Verlustrückstellung für das vierte Quartal vorzunehmen und einen höher als prognostiziert ausgefallenen, nach Marktpreisen bewerteten Verlust zu erwarten. Die normalerweise eher zurückhaltende Rating-Agentur Fitch, die derzeit die Kreditwürdigkeit von MBIA einer Prüfung unterzieht, bezeichnete die Nachricht als „enttäuschend“.

Das ist bemerkenswert, denn es ist äußerst wichtig für MBIA und ihre Konkurrenten wie Ambac und ACA, dass ihnen die Gunst der Rating-Troika erhalten bleibt. Eine Reihe prominenter Investoren wie Bill Ackman von Pershing Square ist der Meinung, dass die Versicherer ihre erstklassigen Bewertungen nicht verdienen.

Die Credit Default Swaps - das sind Derivate zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen - auf einige ihrer Schuldtitel sind auf Junk-Status abgerutscht. Und die Investoren sind aus den MBIA-Aktien geflohen, wodurch sich der Marktwert der Firma seit Mitte Oktober fast halbiert hat.

Ausgelöst wurde der Massenrückzug teilweise von der Besorgnis über das Geschäftsmodell. Im Wesentlichen erhebt ein Bond-Versicherer eine Gebühr, um im Gegenzug eine Anleihe zu garantieren. Der Emittent spart genug an Zinskosten auf den versicherten Schuldtitel, um diese Gebühr mehr als auszugleichen. Aber in einem rationalen Markt wären die Kosten für die Versicherung und der gesparte Betrag gleich. Die Skeptiker monieren, dass die Versicherer nur deshalb weniger in Rechnung stellen können, weil sie unterkapitalisiert sind.

Diese Sorge und die allergische Reaktion des Marktes auf alles, was mit Hypotheken oder CDOs, also mit Wertpapieren, die mit Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, zu tun hat, hat MBIA in Mitleidenschaft gezogen. Aber die Gesellschaft ist der Meinung, die Krise aussitzen zu können. Schließlich hat sie nur sehr geringe Liquiditätsrisiken. Und der Deal mit Warburg Pincus zeigt, dass das Unternehmen, trotz der ablehnenden Haltung des Markts, immer noch Zugang zu Kapital hat.

Noch wichtiger für die Aktionäre von MBIA ist vielleicht, dass der Abschluss zeigt, dass wenigstens ein kühner Investor an die Geschichte des Unternehmens glaubt – und das könnte dazu führen, dass sich die Waagschale des Marktvertrauens wieder in die Richtung von MBIA neigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%