MBIA
Jetzt wird es wirklich schwierig

Der Kreditversicherer MBIA hatte in den vergangenen Monaten schnell reagiert und neues Kapital über 1,5 Mrd. Dollar gesammelt. Seine Konkurrenten haben diese Chance verpasst. Jetzt aber sitzt MBIA wegen seines Verlusts über 2,3 Mrd. Dollar wieder mit den Rivalen im selben Boot. Jetzt noch mehr Kapital zusammenzukratzen, wird schwierig. Und es ist auch nicht klar, wie viel die Firma wirklich braucht.

Niemand würde behaupten, die Kreditversicherer hätten ein sicheres Gespür für die Wahl des richtigen Zeitpunkts. Sie zahlen den Preis dafür, sich an der Spitze des Marktes in strukturierte Finanzprodukte verbissen zu haben. Aber der unter Beschuss geratene Chef von MBIA, Gary Dunton, verdient doch ein wenig – nun ja – Anerkennung. Er hat es geschafft, neues Kapital über rund 1,5 Mrd. Dollar einzusammeln und eine Zusage für noch einmal 500 Mill. Dollar zu bekommen, bevor seine Konkurrenten überhaupt aus den Startblöcken gekommen sind. Nach dem Verlust über 2,3 Mrd. Dollar bei dem Kreditderivate-Portfolio der Firma könnte das jetzt allerdings leider nicht mehr ausreichen. Und noch mehr Kapital aufzutreiben, wird schwierig werden.

Die Surplus Notes über eine Mrd. Dollar, die MBIA im Januar aufgelegt hatte, sind auf dem Sekundärmarkt kräftig gefallen. Und die Kapitalbeteiligung über 500 Mill. Dollar, die Warburg Pincus am Mittwoch zu 31 Dollar je Aktie gekauft hatte, ist derzeit nur noch weniger als die Hälfte wert. Zugegeben, Warburg hat eingewilligt, eine Bezugsrechtsemission über weitere 500 Mill. Dollar zu zeichnen. Aber die große Frage ist, ob MBIA weitere liquide Mittel braucht. Der Kreditversicherer behauptet, das Kapital über zwei Mrd. Dollar aus den Surplus Notes und aus dem Doppelengagement von Warburg, zu dem noch einmal bis zu 650 Mill. Dollar aus der Rückversicherung von Teilen seines Portfolios und aus dem Auslaufen einiger Versicherungspolicen kommen könnten, reiche aus, um die Ratingagenturen davon abzuhalten, das “AAA”-Rating zurückzustufen, das die Firma braucht, um im Geschäft zu bleiben.

Aber in der sich schnell verändernden und obskuren Welt der Bond-Versicherung gibt es nichts Verlässliches. Moody’s hat MBIA vor zwei Wochen auf die Überprüfungsliste für eine mögliche Abstufung gesetzt, nur einen Monat, nachdem die Ratingagentur das „AAA“-Rating des Kreditversicherers bestätigt hatte. Und wie schmerzhaft die Entwicklung auf dem US-Markt für Wohnimmobilien noch wird, weiß keiner. Die Bedingungen scheinen sich von Woche zu Woche zu verschlechtern. Die Schätzungen über die Verluste bei Hypothekenschuldtiteln wurden bereits von rund zehn Prozent vor sechs Monaten auf jetzt das Doppelte heraufgeschraubt. Die Prognosen für die möglichen Verluste beim CDO-Engagement von MBIA über 30 Mrd. Dollar bleiben daher fundierte Vermutungen.

Leerverkäufer wie Bill Ackman von Pershing Square argumentieren, dass die Verluste von MBIA viel höher ausfallen werden, als das Unternehmen oder die Ratingagenturen bisher wahrhaben wollen.

Wenn MBIA noch einmal den Hut herumreichen muss, könnte das Unternehmen nur wenige Investoren finden, die bereit sind, ihn zu füllen. Ambac musste die geplante Emission von aktiengebundenen Wertpapieren abblasen, nachdem die Surplus Notes von MBIA in den Keller gerutscht waren. Retter in der Not wie Wilbur Ross mögen wohl um das Unternehmen kreisen. Aber zu den derzeitigen Kursen ein Aktienpaket an MBIA zu kaufen, würde für die bestehenden Investoren eine ernst zu nehmende Verwässerung bedeuten, auch für Warburg, die jetzt über zwei Sitze im Board verfügt. Und der Rettungsplan der Wall Street, der von dem New Yorker Wächter über die Versicherungsbranche, Eric Dinallo, unterstützt wird, scheint mehr oder weniger eine Totgeburt zu sein.

Dunton hat für das Sammeln neuen Kapitals sicher einen günstigeren Zeitpunkt gewählt als seine Konkurrenten. Aber der schwierige Teil für MBIA kommt vielleicht erst noch.

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