Mead Johnson
Die Giftpille für die Aktionäre

Gewöhnlich profitieren die Manager und nicht die Aktionäre von Vorkehrungen, die Übernahmen verhindern sollen. Mead Johnson könnte hier eine Ausnahme bilden. Der Babynahrungshersteller dürfte selbst ein begehrter Übernahmekandidat sein. Aber die technischen Feinheiten im anhaltenden Ablöseprozess der Firma von Bristol-Myers legen nahe, dass es sinnvoll ist, eine Auktion vorerst zu verschieben.
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Vorkehrungen, die zur Abwehr einer Übernahme getroffen werden, profitieren gewöhnlich eher die Manager und nicht die Aktionäre. Das Bestreben von Mead Johnson Nutrition, einer möglichen Übernahme entgegenzuwirken, könnte hier eine Ausnahme darstellen. Der Babynahrungshersteller könnte bei mehreren Nahrungsmittelproduzenten als appetitlicher Happen gelten. Aber die technischen Feinheiten im anhaltenden Ablöseprozess der Firma von Bristol-Myers Squibb legen nahe, dass es sinnvoll sein könnte, eine Auktion vorerst zu verschieben.

Das Geschäft mit der Babynahrung ist attraktiv. Vor zwei Jahren zahlte Nestlé das 16fache der geschätzten Betriebgewinne für Gerber und Danone blätterte das Zwanzigfache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) - das in etwa den Betriebsgewinnen gleich kommt - für die niederländische Numico hin. Traditionellere Nahrungsmittelunternehmen wie Nestlé selbst und Kraft werden im Vergleich dazu derzeit mit nicht mehr als dem Zehnfachen des Ebitda bewertet.

Vor diesem Hintergrund sieht die börsennotierte Mead natürlich reizvoll aus. Ihre Milchnahrungssparte für Säuglinge und Kleinkinder entwickelt sich gut. Und die starke Ausgangsposition der Firma auf den schnell wachsenden südamerikanischen Märkten macht sie erst recht begehrenswert. Auch ihr Preis erscheint nicht gerade astronomisch. Derzeit wird mit Mead mit dem Zwölffachen des geschätzten Ebitda gehandelt, das sind 40 Prozent weniger als das Vielfache, zu dem Numico abgelöst wurde.

Das US-Pharmaunternehmen Bristol ist gerade dabei, seinen 83-prozentigen Anteil an Mead über eine steuerfreie Tauschofferte an die Aktionäre abzustoßen. Es waren Gerüchte im Umlauf, der Pharmakonzern habe erwogen, Mead an einen Käufer aus der Branche abzugeben. Doch offensichtlich war aus steuerlichen Gründen kein akzeptabler Preis zu erzielen. Da dieses Problem nun durch die Aufspaltung angepackt wurde, könnte wieder ein Bieter auftauchen.

Die Sache hat allerdings einen Haken. Die Aufspaltung könnte rückwirkend ihren Status der Steuerfreiheit verlieren, wenn eine Partei, die zuvor ernsthaft mit Bristol über die Akquisition von Mead verhandelt hat, innerhalb von sechs Monaten oder einem Jahr versuchen würde, den Babynahrungsmittelhersteller zu kaufen - abhängig vom Zeitpunkt der Gespräche. Wenn also zum Beispiel Danone mit Bristol über die Übernahme von Mead verhandelt hätte, dann wäre die Firma nun für mindestens sechs Monate aus dem Rennen. Mehrere mögliche Bieter für Mead könnten damit auf der Strafbank sitzen.

Mead schickt sich gerade an, im Vorfeld Barrieren gegen unerwünschte Werber zu errichten, indem sie dem Management einen großen Ermessensspielraum bei der Emission von Vorzugsaktien einräumt und die Möglichkeiten der Investoren beschneidet, Sondersitzungen einzuberufen. Dies könnte einer der seltenen Fälle sein, bei dem derlei Hürden letztendlich den Aktionären zu Gute kommen. Diese Maßnahmen könnten dafür herangezogen werden, einen Verkauf hinauszuzögern, bis alle potenziellen Interessenten wieder aufs Spielfeld dürfen. Auf diesem Weg könnten sich die Aktionäre von Mead den besten Preis sichern.

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