Medien
NBC auf der Einkaufzettel

Vivendi könnte eine Option zum Verkauf von 20 Prozent an der GE-Tochter NBC ausüben. Doch die Wahl des Zeitpunkts wäre denkbar schlecht. NBC passt zwar nicht zu GE. Aber ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt würde die Gewichtung der in Misskredit geratenen GE Capital im Gesamtkonzern weiter verstärken und dringend benötigte Mittel absorbieren.
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Wenn NBC Universal eine unabhängige Mediengruppe wäre - und nicht Teil des finanziell-industriellen Mischkonzerns General Electric (GE) -, hätte dann die Sitcom "30 Rock" gerade wieder fünf weitere Emmy Awards eingeheimst? Und wäre die Serie, die das Leben hinter den Kulissen einer Fernseh-Varieté-Sendung unter der Leitung des fiktiven Vice President Jack Donaghy auf einem Sendernetz, das von GE kontrolliert wird, verspottet, dann aber überhaupt erst ausgestrahlt worden?

Das ist nicht nur eine existenzielle Frage. Es wird allgemein erwartet, dass das französische Telekom-Sammelsurium Vivendi im kommenden Monat seine Option zum Verkauf von 20 Prozent an NBC ausübt. Dies könnte GE dazu zwingen, sein Mediengeschäft entweder ganz oder teilweise zu entflechten oder - wenn der Mischkonzern die dafür notwenigen Mittel auftreiben kann, - den Anteil zu kaufen. Auf den ersten Blick könnte das Timing nicht ungünstiger sein. Aber vielleicht könnte ja die Private Equity-Branche aushelfen.

Ein Verkauf von NBC zum jetzigen Zeitpunkt würde die GE-Aktionäre dem Finanzbereich GE Capital noch stärker aussetzen. Die Besorgnis um die Qualität der Vermögenswerte und die Finanzierungsquellen des Finanzzweigs hat dazu geführt, dass die Marktkapitalisierung von GE seit 2007 um fast 200 Mrd. Dollar geschrumpft ist. NBC abgerechnet würden auf die Finanztochter fast 40 Prozent der Umsätze entfallen gegenüber momentan rund einem Drittel, gemäß der Prognosen von Morgan Stanley für das kommende Jahr.

Zudem könnte sich GE aufgrund des Mittelbedarfs von GE Capital - oder zumindest aufgrund der Besorgnis der Investoren über die Finanzierung - auch nicht in der besten Ausgangslage befinden, um den Anteil von Vivendi an NBC zu erwerben. Setzt man das Siebenfache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen an, also in etwa das Niveau, zu dem News Corp, Disney und Time Warner gehandelt werden, dann ist NBC 21 Mrd. Dollar wert. Um den Anteil kaufen zu können, muss GE also mindestens vier Mrd. Dollar auftreiben.

Die Investoren könnten einen solchen Deal durchaus unterstützen, wenn sie der Ansicht wären, dass die Übernahme der vollständigen Kontrolle von NBC der richtige strategische Schritt wäre. Aber über die Möglichkeit hinaus, GE dazu zu verhelfen, ihren Führungskräften und Kunden bei glanzvollen Ereignissen wie der Olympiade in Peking Plätze in der vordersten Reihe zu sichern, ist die Logik schwer zu ergründen, warum ein Unternehmen, das im Leasing tätig ist, Flugzeugausrüstung produziert und Haushaltsgeräte herstellt, auch noch ein Film- und Fernsehgeschäft besitzen muss.

Was GE wirklich braucht, ist Zeit. Und die könnte die Private Equity-Branche dem Konglomerat bieten, indem sie den Anteil von Vivendi mit Hilfe einer moderaten Kreditsumme, die möglicherweise sogar von GE Capital selbst bereitgestellt wird, erwirbt. Damit hätte GE Zeit, GE Capital zu stabilisieren und eine Trennung von seinem Finanzzweig vorzubereiten. Dann könnte das Unternehmen wenigstens individuell über die Zukunft von NBC nachdenken.

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