Medien
Vivendi: Schlechter Zeit für Verkäufer

Für die Medien- und Telekomgruppe Vivendi eröffnet sich im November die Gelegenheit, ihren 20prozentigen Anteil an der US-Unterhaltungsgruppe NBC Universal zu verkaufen. Doch zwingende Gründe für eine Veräußerung gibt es nicht und der Zeitpunkt ist schlecht.
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Die alle Jahre wiederkehrende Frage, ob Vivendi den 20prozentigen Anteil an NBC Universal verkaufen wird, scheint dieses Mal größere Aufregung hervorzurufen. Aber sofern der französische Telekom - und Medienmischkonzern nicht in nächster Zukunft einen umfassenden strategischen Schritt plant, ist kaum nachzuvollziehen, warum Vivendi die Gelegenheit, die sich im November für eine Veräußerung seiner Beteiligung an der US-Film- und Fernsehgruppe bietet, ergreifen sollte.

Der Trubel könnte viel mit der misslichen Lage zu tun haben, in der sich die Muttergesellschaft von NBC, General Electric (GE), gerade befindet. Dadurch könnte die Entscheidung für GE, ob sie den Anteil von Vivendi aufkaufen soll, nur noch schwerer werden. Aber aus der Perspektive der Franzosen sind die Gründe, in diesem Jahr zu verkaufen, nicht zwingender als zuvor.

Vivendi hatte im Jahr 2007 nicht verkauft, weil die Gruppe darauf gesetzt hatte, dass die Übertragung der Olympischen Spiele durch NBC im darauf folgenden Jahr Dividenden abwerfen würde. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Ein Jahr später, nachdem die Finanzwelt zusammen gebrochen war, schienen alle Veräußerungen in sämtlichen Branchen außer Frage zu stehen.

Der NBC-Anteil könnte vier Mrd. bis fünf Mrd. Dollar einbringen, schätzen Analysten. Nimmt man einen Mittelwert an, so könnten sich die Verbindlichkeiten von Vivendi um rund drei Mrd. Dollar verringern, nachdem der Mischkonzern in den Kauf eines brasilianischen Mobilfunkbetreibers über zwei Mrd. Euro eingewilligt hat.

Da jedoch das Verhältnis der Verbindlichkeiten der Gruppe zu ihrem Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen bei rund eins liegt, kann es sich Vivendi leisten, den Fremdkapitaleinsatz zu erhöhen. Allerdings könnte das Unternehmen beabsichtigen, Cash für künftige Projekte zu horten. Die Firma hat schon lange im Sinn, die Minderheitsaktionäre beim Bezahlfernsehsender Canal Plus und bei der nordafrikanischen Mobilfunkgesellschaft Maroc Telecom herauszukaufen. Dies könnte der eigentliche Beweggrund für eine Veräußerung des NBC-Anteils sein, zusammen mit der Zielsetzung, den traditionellen Konglomeratsabschlag zu verringern.

Aber ob Vivendi den Anteil nun an GE, einen Käufer aus der Branche oder an eine Beteiligungsgesellschaft verkauft, oder ob sich der Konzern der Beteiligung über eine Erstemission entledigt, die Frage bleibt stets dieselbe: Ist mit diesem November der richtige Zeitpunkt gekommen, um den besten Preis zu erzielen? Und in Anbetracht des Zustands, in dem sich die Medienindustrie befindet, die sowohl mit dem Abschwung kämpft als auch mit technologischen Herausforderungen? Wenn kein dringender Bedarf vorliegt, wäre es sinnvoll für Vivendi, noch ein weiteres Jahr zu abwarten.

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