Medienkonzerne
WPP sollte sein Kreditrating verteidigen

Dem britischen Werbekonzern WPP droht die Herabstufung seines Kreditratings. Anleger fürchten, dass die Gruppe dem verschuldeten Medienkonzern Reed folgen und eine Kapitalerhöhung durchführen könnte. Unternehmen außerhalb der Finanzbranche sollten eigentlich nicht nach ihren Ratings beurteilt werden. WPP allerdings bildet vielleicht eine Ausnahme.
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WPP sollte sich darauf vorbereiten, sein Kreditrating zu verteidigen. Dem von Sir Martin Sorrell geführten britischen Medien- und Kommunikationsdienstleister droht die Herabstufung seines Ratings auf gerade so über Junk-Niveau, nachdem WPP vor einiger Zeit von den Ratingagenturen auf die negative Beobachtungsliste gesetzt wurde. Anleger fürchten nun, dass WPP dem hoch verschuldeten britischen Medienkonzern Reed Elsevier folgen und eine Kapitalerhöhung durchführen könnte.

WPP ist fast doppelt so hoch verschuldet wie andere Unternehmen aus der Branche. Die Medienagentur verprasste 1,6 Milliarden Pfund bei der kreditfinanzierten Übernahme des Marktforschungsinstituts Taylor Nelson Sofres - kurz bevor es zum Zusammenbruch von Lehman Brothers kam. Ende März stand das Unternehmen daraufhin mit insgesamt 3,7 Milliarden Pfund oder mehr als der Hälfte seiner Marktkapitalisierung und fast dem Dreifachen seiner für 2009 erwarteten Gewinne (Ebitda) in der Kreide. Die Konkurrenten Publicis, Aegis und Havas sind im Vergleich nur jeweils mit weniger als dem zweifachen ihrer erwarteten Ebitda-Ergebnisse verschuldet.

Auf dem Papier kann WPP diese Last stemmen. Nachdem die Agentur vor Kurzem Anleihen im Volumen von 825 Millionen Pfund an den Markt brachte, stehen in den Jahren 2009 und 2010 nur jeweils 200 Millionen Pfund zur Rückzahlung an. Der freie Cashflow betrug im vergangenen Jahr 777 Millionen Pfund. Nach Analysen der Credit Suisse stimmt es zwar, dass die Anzeigenerträge in diesem Jahr voraussichtlich um 5,5 Prozent und im kommenden noch einmal um 1,5 Prozent fallen werden, aber WPPs Umsätze müssten schon doppelt so schnell sinken, bevor das Unternehmen seine Bankverpflichtungen brechen müsste.

Aber die rein rechnerische Stärke WPPs reicht vielleicht nicht aus, um Standard & Poor?s und Moddy?s zufriedenzustellen. So hat zum Beispiel Moody?s davor gewarnt, dass WPP gegen Ende des Jahres herabgestuft werden könnte, wenn der Konzern keine Anzeichen erkennen lässt, sich aus dem Downtrend im Mediensektor zu befreien. Der Konkurrent Publicis gab vor Kurzem bekannt, die Talsohle inzwischen durchschritten zu haben, die Töne bei WPP klingen pessimistischer. Die nächste Woche, wenn das Unternehmen seine Zweitquartalsergebnisse vorlegt, könnte größere Klarheit bringen.

Die Krise hat deutlich gemacht, dass Anleger sich zu stark auf die Rating-Agenturen verlassen. Aber in einer Branche wie dem Anzeigengeschäft müssen sich Kunden auf Kreditratings verlassen, weil Werbeetats langfristig vergeben und im Voraus bezahlt werden.

Dennoch sollten Anleger, die sich Gedanken über eine mögliche Kapitalerhöhung bei WPP machen, im Kopf behalten, dass Sorrells Vergütungsmodell ihm kaum Anreize gibt, neue Aktien zu emittieren. Er sollte auch gar nicht darüber nachdenken. Eine Kürzung oder Aussetzung der Dividende wäre die bessere Lösung, wenn wirklich Aktionen notwendig werden sollten, um eine Rating-Herabstufung abzuwehren.

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