Megafusion
Beratungsbranche: Die Boomzeiten sind vorbei

Towers Perrin und Watson Wyatt haben den Kreditboom voll ausgekostet. Sie haben Unternehmen bei der Rekrutierung und Integration ihres Personals beraten - und die Rechtfertigung für astronomische Gehälter gefunden. Nun soll die 3,5-Milliarden-Dollar-Verbindung vor allem helfen, die Kosten in der krisengeschüttelten Beratungsbranche zu senken.
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Rechtsberatung und Dienstleistungen für Pensionsfonds sind nach wie vor gefragt. Aber die 3,5-Milliarden-Dollar-Verbindung - gemessen am kombinierten Kapitalwert der Personengesellschaft Towers Perrin und der börsengehandelten Watson Wyatt - soll vor allem helfen, die Kosten in der krisengeschüttelten Beratungsbranche zu senken.

Bei Watson Wyatt zum Beispiel stiegen im ersten Quartal die Umsätze aus dem Geschäft mit finanzmathematischen und technischen Dienstleistungen für Versicherungen und Finanzdienstleister.

Auf der anderen Seite ist es in Boomzeiten populär und lukrativ, Managern zu versichern, dass sie jeden Penny ihrer Bezahlung und noch mehr wert sind. Aber die Nachfrage nach dieser Dienstleistung ist inzwischen rückläufig. Das Bedürfnis der Klienten, üppige Gehaltspakete zu schnüren, die gerechtfertigt werden müssen, hat deutlich nachgelassen. Das angeschlagene Image der auf die entsprechenden Beratungsleistungen spezialisierten Dienstleister ist da auch nicht gerade hilfreich. Watson Wyatts Personalberatung, die darauf spezialisiert ist, bei der Festlegung von Managergehältern Hilfestellung zu leisten, erwirtschaftete im ersten Quartal 2009 einen operativen Verlust. In der gleichen Vorjahresperiode stand dagegen noch ein Gewinn von 9 Millionen Dollar zu Buche.

Kostensenkungen sind da ein probates Mittel. Die beiden Unternehmen rechnen aus dem Zusammenschluss mit jährlichen Kostenvorteilen von 80 Millionen Dollar, denen einmalige Ausgaben in gleicher Höhe gegenüberstehen. Auf die Gegenwart bezogen beträgt der Barwert der Fusion nach heutiger Rechnung und nach Abzug von Steuern etwas weniger als 500 Millionen Dollar.

Ob dieser Vorteil tatsächlich zum Tragen kommt, ist unklar. Die Hochzeit von Beratungsunternehmen hat ihre Tücken, da ihre Mitgift aus wenigen materiellen Vermögenswerten besteht. Ein Großteil ihres Werts ist untrennbar mit dem Humankapital verbunden und eher schwammigen Attributen wie Beziehungen und Markenwert. Unterlaufen bei der Integration Fehler, nehmen Mitarbeiter ihren Hut, die Kunden werden unzufrieden und der Markenname wird angekratzt.

Das Geschäft der beiden Unternehmen ist ähnlich, aber nach eigener Aussage könnte es bis zu drei Jahren dauern, bis beide vollständig verschmolzen sind. Langwierige Prozesse sind oft schwerer zu handhaben als kurzfristige und manche Consultants sind ihren eigenen Problemen gegenüber weniger sensibel als den Problemen ihrer Klienten. Nur weil die Fusion als "Zusammenschluss unter Gleichen" gilt, wird sie nicht einfacher - es ist gut möglich, dass beide Parteien den Hang entwickeln, jedes Detail auszuhandeln.

Das heißt, auch wenn der Deal logisch erscheint, ist er nicht risikolos. Er könnte Towers Watson mit Problemen befrachten, die länger Bestand haben als der zyklische Einbruch von Boomzeit-Diensten.

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