Merck
Scheinbar endlos

Es war schon gekonnt, wie Merck den Prozess gedeichselt hat, der wegen des vom Markt genommenen Schmerzmittels Vioxx gegen das Pharma-Unternehmen angestrengt worden waren. Merck hat einen Ausweg aus den juristischen Verstrickungen gefunden, der die Firma weniger als die liquiden Mittel in ihren Büchern kostet. Wall Street war ursprünglich von einem weit höheren Betrag ausgegangen.

Es hatte so ausgesehen, als würden die Schmerzen, die Vioxx bei Merck auslöste, kein Ende nehmen. Aber das Pharma-Unternehmen hat den Vorfall letztendlich mit überraschend geringen Schäden überstanden. Zu verdanken ist dies seiner meisterhaften Handhabung des Rechtsstreits, der wegen der Rücknahme des Schmerzmittels gegen die Firma angestrengt worden war. Die erzielte Einigung von 4,85 Mrd. Dollar, die fast alle noch verbliebenen Ansprüche umfasst, ist ein gutes Geschäft.

Die anfängliche Entscheidung von Merck, gegen jeden Fall einzeln vorzugehen, hat sich als richtig herausgestellt. Der Pharma-Riese hatte gleich elf der ersten 16 Fälle gewonnen und konnte damit vor Gericht einen guten Punktestand vorweisen. Die Einzelverhandlungen sorgten auch dafür, dass es die Kläger beträchtliche Summen kostete, um vor Gericht weiterzumachen. Das dämpfte die Erwartungen auf lotterieähnliche Zahlungen und reduzierte die Zahl leichtfertiger Forderungen.

Warum führt Merck jetzt eine Einigung herbei? Die gesetzlichen Begrenzungen für Produkthaftpflichtansprüche betragen in den meisten Staaten drei Jahre, und Vioxx war im September 2004 zurückgezogen worden. Früher eine Einigung anzubieten, wäre für die aufgestachelten Kläger ein gefundenes Fressen gewesen. Das Angebot hätte als Schuldeingeständnis gewertet werden können - es hätten von überallher Kläger aus der Versenkung auftauchen können, und die Geschworenen hätten in neuen Fällen vielleicht umfangreichere Entschädigungen gewährt. Merck kann jetzt fast alle noch ausstehenden schweren Fälle beilegen, ohne befürchten zu müssen, einen ruinösen Präzedenzfall zu schaffen.

Und 4,85 Mrd. Dollar sind fast ein Schnäppchen. Tatsächlich ist die Summe niedriger als die liquiden Mittel, die das Unternehmen in seinen Büchern hat. Rechnet man die 1,9 Mrd. Dollar hinzu, die Merck schon vorher für Gerichtskosten zurückgelegt hat, dann wird die Gruppe insgesamt fast sieben Mrd. Dollar hingelegt haben, um sich aus den Prozessverstrickungen zu befreien. Am Tag der Rücknahme von Vioxx hatten die Händler in Wall Street die Marktkapitalisierung von Merck um das Vierfache dessen nach unten gedrückt. Für Merck hat ein drei Jahre dauernder Alptraum ein relativ schmerzloses und schnelles Ende genommen.

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