Merrill/TPG
Abwarten

TPG hat kürzlich zwei Mrd. Dollar in Washington Mutual investiert und steht auch mit Merrill Lynch in Gesprächen über eine engere Zusammenarbeit. Andere große Übernahme-Gruppen schleichen ebenfalls um Finanzinstitute herum, haben sich bis jetzt aber noch nicht dazu durchgerungen, den Hebel umzulegen. Lange werden sie nicht mehr untätig zuschauen.

Buyout-Unternehmen pirschen sich an die US-Finanzinstitute heran. TPG hat jüngst zwei Mrd. Dollar in Washington Mutual gesteckt und steht in Gesprächen mit Merrill Lynch über eine mögliche Zusammenarbeit. Corsair Capital hat in der vergangenen Woche fast eine Mrd. Dollar in National City investiert. Aber nicht alle große Beteiligungsgesellschaften beißen an, entweder weil sie nicht überzeugt sind, dass der Markt die Talsohle schon erreicht hat oder weil sie die angebotenen Konditionen nicht gut heißen. Doch sie werden vielleicht nicht mehr lange untätig zuschauen.

Einige Private-Equity-Größen vergleichen die Situation mit dem Anfang der neunziger Jahre. Auch damals beherrschte nach dem Platzen der spekulativen Junk Bond-Blase, die einen Boom bei Gewerbeimmobilien angetrieben hatte, eine Kreditklemme den US-Markt. Der Zusammenbruch von Drexel Burnham Lambert war ein frühes Signal dafür, dass sich die Talsohle genähert hatte. Mehrere Regionalbanken waren in der Folge Pleite gegangen. Analog könnte man behaupten, dass der Kollaps von Bear Stearns vielleicht den Anfang des Endes der derzeitigen Kreditkrise markiert hat. Allerdings könnten vorsichtige Buy-Out-Firmen bezweifeln, dass das Schlimmste vorüber ist, bis nicht die ersten Regionalbanken in den Konkurs gehen.

Dies könnten die Schritte der US-Notenbank Federal Reserve, die Märkte zu stabilisieren und Bear Stearns zu retten, jedoch verhindern. Zudem stützen vielleicht die Investitionen von Private-Equity-Unternehmen wie TPG und Corsair einige Banken. Buyout-Firmen, die auf bessere Deals warten, kommen so womöglich gar nicht mehr zum Zug.

Einige von ihnen gehen dieses Risiko vielleicht sogar bewusst ein, weil sie normalerweise Mehrheitsbeteiligungen anstreben – und die Finanzinstitute haben sich bis jetzt vor allem dadurch frisches Kapital beschafft, indem sie Minderheitsbeteiligungen verkauft haben. Das erklärt vielleicht auch, warum Merrill Lynch Staatsfonds, Hedge Fonds und andere angezapft hat – aber noch keine Beteiligungsgesellschaften. Schließlich hat sich TPG zumindest einen Sitz im Board von Washington Mutual gesichert.

Und dann geht es schließlich auch noch um den Umfang der Deals. Viele Finanzinstitute brauchen Milliarden an frischem Kapital. Für Beteiligungsgesellschaften ist das – ohne die Verstärkung, die ihr traditioneller Einsatz von Bergen von Schulden üblicherweise gebracht hat - ein ernstes Engagement. Deshalb werden konservativ ausgerichtete Private-Equity-Firmen frühe Abschlüsse in Ruhe an sich vorüberziehen lassen. Aber während immer mehr Finanzinstitute ihr Kapital erhöhen und die Liste der Bedürftigen immer kürzer wird, werden sie sich schließlich doch Sorgen machen, den Anschluss zu verpassen. Das könnte sie dazu veranlassen, ihre Geldbörse zu zücken.

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