Microsoft
Hat Microsoft sein Waterloo erlebt?

Microsoft hat lange gemauert und damit die europäischen Kartellwächter frustriert. Nach einer haushohen Niederlage vor dem EU-Gericht hat der Software-Riese jetzt endlich klein beigegeben. Der Krieg zwischen Brüssel und dem Unternehmen von Bill Gates ist damit aber noch lange nicht beendet.

Microsoft hat die Wettbewerbsaufseher der EU-Kommission lange frustriert. Seitdem eine sechs Jahre dauernde Untersuchung bei dem Software-Giganten 2004 erbracht hatte, dass Microsoft seine Monopolstellung missbraucht, hatten die Kartellwächter darum gekämpft, ihre Auflagen durchzusetzen. Jetzt hat Microsoft zum ersten Mal seine Niederlage in der Schlacht, und vielleicht im gesamten Krieg, eingeräumt.

Das Software-Unternehmen hatte am Montag mitgeteilt, es werde keine Berufung gegen das Urteil des EU-Gerichts einlegen und die Gebühren für die Lizenzen seiner Server-Software kappen. Damit macht Microsoft umfassende Konzessionen. Das Unternehmen hatte sich lange geweigert, Lizenzen an "Open Source"-Entwickler zu verkaufen. Diese würden den Code öffentlich machen, hatte Microsoft argumentiert.

Die Kapitulation kommt zögerlich. In der Vergangenheit hatte Microsoft auf die Aufforderung hin, eine besondere Lizenz zugänglich zu machen, oft mit der Herausgabe von voluminösen Dokumentationen reagiert, die die Kommission zum größten Teil für irrelevant befunden hatte. Einer der obersten Kartellwächter hatte sich über die Berge von Papier so geärgert, das er geschworen hatte, Bill Gates bis zum bitteren Ende zu bekämpfen. Microsoft-Vertreter wiederum zeigten sich genau so bissig. In ihren Augen versuchten nicht demokratisch gewählte Bürokraten, ihnen ihr geistiges Eigentum wegzunehmen.

Wie dieser Krieg ausgeht, ist immer noch ungewiss. Allerdings könnte die EU-Kommission Microsoft immer noch mit einer Geldstrafe von mehr als einer Mrd. Euro belegen. Microsoft dagegen macht sich mehr Sorgen darüber, ob hier nicht möglicherweise ein Präzedenzfall geschaffen wurde. Die europäischen Wettbewerbswächter glauben jetzt, dass sie Microsoft vorschreiben können, was es seinem Windows-Betriebssystem und seinen Office-Applikationen hinzufügen kann und was nicht. Das wurde durch die Übereinkunft vom Montag nicht geregelt. Eine enge Überprüfung von Microsoft durch die Kartellwächter wird weitergehen und sich auch auf die neuen Versionen seiner Produkte beziehen.

Was können andere große US-Technologie-Gesellschaften, die sich einer ähnlichen Untersuchung durch die EU-Wettbewerbshüter gegenübersehen, aus der Geschichte lernen? Die Fälle von Intel, Qualcomm und Rambus liegen alle recht anders als der von Microsoft. Und doch sollten sich alle auf jahrelange Beobachtung, möglicherweise hohe Geldbußen und Beschneidungen in ihrer Fähigkeit, neue Produkte zu entwickeln, einstellen. Und wenn sie vor Gericht schuldig gesprochen werden, müssen sie weitere Jahre mit zusätzlichen juristischen Auseinandersetzungen einrechnen. Napoleons Niederlage bei Waterloo hatte das Ende seines Bestrebens eingeleitet, Europa zu beherrschen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis man weiß, ob Microsoft vielleicht sein eigenes Waterloo im Kampf gegen die europäischen Wettbewerbshüter gefunden hat.

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