Microsoft
Kampf in den Wolken

Der Software-Riese Microsoft hat neue Online-Abonnementsdienste für Unternehmen vorgestellt. Google bietet eine billigere Variante dieser „Cloud Computing“ genannten Dienstleistungen an, die sich allerdings bisher nicht ganz so überzeugend entwickelt hat. Aber die neuen Anstrengungen von Microsoft und seine Offerte für Yahoo zeigen, wie besorgt das Unternehmen über den neuen Trend ist.

Microsoft hat Google jetzt auch den Kampf in den wolkigen Höhen des Cloud Computing angesagt. Der Software-Riese hat ein neues Programm von Online-Abonnementsdiensten für kleine und mittlere Unternehmen vorgestellt. Bei diesem so genannten Cloud Computing betreiben die Software-Anwender die Applikationen und die notwendige Hardware nicht mehr selbst, sondern beziehen diese über einen Anbieter. Die billigere Variante ähnlicher Dienste von Google hat sich bisher nicht ganz so umwerfend entwickelt und Ballmer & Co. damit einen Angriffspunkt geboten. Aber die neuerlichen Anstrengungen von Microsoft und seine Offerte für Yahoo zeigen, wie besorgt das Unternehmen über den Trend ist.

Die Abteilung für Geschäftskunden von Microsoft hat im vergangenen Jahr Software über 16,4 Mrd. Dollar verkauft und erwirtschaftete damit mehr als die Hälfte des Gesamtgewinns des Unternehmens. Und doch droht Google das Geschäft von Microsoft zu kannibalisieren, indem der Konkurrent durch Werbung gestützte Online-Spreadsheets, Textverarbeitung, E-Mail-Dienste und Kalender anbietet. Die Online-Dienste haben eine ganze Reihe von Vorteilen für die Kunden, ganz abgesehen vom Preis. Die Dienste kosten den Einzelkunden gar nichts und die Unternehmen nur einen symbolischen Preis. Theoretisch sind Online-Dienste leichter zu installieren, einfacher zu betreiben und so angelegt, dass die Nutzer untereinander problemloser kommunizieren können.

Und doch steigt Microsoft nicht mit voller Kraft ein. Die neuen Angebote des Unternehmens beschränken sich auf Bereiche wie E-Mail-Dienste, Kalender und Kontaktlisten. Durch Abwesenheit glänzt Office – die Software, auf die mehr als 90 Prozent des Umsatzes im Unternehmensbereich Geschäftskunden entfallen. Das mag clever sein. Die Umstellung auf Online-Software funktioniert nicht von einem Tag auf den anderen. Die Online-Anwendungen von Google sind immer noch umständlich in ihrer Benutzung. Das gibt Microsoft Zeit, ihren Goldesel noch ein bisschen länger anzuzapfen, während die Firma ein Angebot entwirft, das die Kunden nicht durch Benutzerunfreundlichkeit abschreckt.

Dass sich die Sache hinauszögert, hat noch einen zweiten Vorteil. Die Pläne von Microsoft, Yahoo zu übernehmen, reifen langsam heran. Die Erfahrung der Internet-Gruppe mit der Online-Werbung und mit auf Abonnements basierenden Geschäften wäre für die künftige Umstellung von unbezahlbarem Wert. Tatsächlich könnte das der Hauptgrund sein, warum Microsoft überhaupt erst mit einer unerwünschten Offerte an Yahoo herangetreten ist.

Aber Microsoft kann auch nicht zu lange herumlavieren. Wie es sich bei den Zeitungsverlagen zeigt, können sich die Etablierten noch so gründlich auf die billigere Online-Konkurrenz einstellen und dennoch eine Schlappe erleiden. Der Unwillen in den Unternehmen, billige oder kostenlose Versionen der eigenen Produkte anzubieten, ist enorm. Man wird schon mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgehen müssen, um eine Gesellschaft zu integrieren, die über eine feindliche Übernahme erworben wurde, und gleichzeitig mit Erfolg ein Geschäft aufzubauen, indem man das eigene Monopol zerstört. Unglücklicherweise hat Microsoft keine richtige Wahl.

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