Microsoft
So schlimm ist es nun auch wieder nicht

Die Marktkapitalisierung von Microsoft ist um 41 Mrd. Dollar gefallen. Das entspricht in etwa dem Wert seiner Offerte für den Internet-Konkurrenten Yahoo. Bereinigt um Synergien und um die Wahrscheinlichkeit, dass Microsoft das Gebot aufstockt, impliziert dies eine verheerende Wertevernichtung unwahrscheinlichen Ausmaßes.

Man kann schon verstehen, warum die Investoren schwarz für das Übernahme-Angebot von Microsoft für Yahoo sehen. Der Software-Riese hatte Mühe damit, den Markt für die Online-Werbung aufzubrechen und hat schon in der Vergangenheit zu viel für Abschlüsse gezahlt. Sich zu vergrößern, könnte theoretisch die Gewinnspannen anheben, aber es könnte auch zu erheblichen Verdauungsbeschwerden führen. Die Aktionäre, die eher das letztere Szenario für wahrscheinlich halten, haben den Marktwert von Microsoft um 41 Mrd. Dollar geschmälert. Das scheint zu pessimistisch zu sein.

Technologie-Aktien haben in der vergangenen Handelswoche zugegebenermaßen gelitten. Das Sektor-Barometer „Philadelphia Semiconductor“-Index ist seit der Offerte um drei Prozent gefallen. Aber die Aktien von Microsoft haben Verluste über 14 Prozent verkraften müssen. Das mag zum Teil die Erwartung der Investoren reflektieren, dass Microsoft sein Gebot wahrscheinlich aufstocken muss, um den Deal nach Hause zu bringen. Aber selbst wenn das Software-Unternehmen die Offerte um zehn Prozent anhebt, macht das nur rund vier Mrd. Dollar des ausgelöschten Werts aus.

Anscheinend sind die Microsoft-Aktionäre überzeugt, dass die Firma es nicht schaffen wird, das Geschäft wirksam zu integrieren und daher den Wert von Yahoo größtenteils zerstören wird – oder einen Großteil ihrer eigenen bestehenden Geschäftsbereiche. Sicher, dies wäre die größte aller Übernahmen, die Microsoft bisher unternommen hat. Und Unternehmenschef Steve Ballmer scheint jetzt schon Mühe zu haben, das weit verzweigte Imperium zu verwalten. Der Markt könnte auch der Ansicht sein, dass der Konkurrent Google sich weitere Marktanteile verschafft, während Microsoft sich intern an dem Deal abarbeitet.

Aber was ist, wenn sich die Investoren täuschen? Microsoft geht von Synergien über eine Mrd. Dollar aus. Das könnte sicher zu einem Kraftakt werden. Und die Gruppe will nicht detailliert darlegen, welcher Teil davon auf Kostenkürzungen zurückgehen wird, die die Investoren höher einschätzen als Versprechungen auf verbesserte Einnahmen. Aber angenommen, das Unternehmen kann diese Verbundvorteile erreichen, dann hätten sie einen Nettobarwert von rund sieben Mrd. Dollar. Wenn Microsoft sein Gebot um zehn Prozent aufstockt, wie der Markt dies erwartet, entspricht der angebotene Aufschlag insgesamt rund 18 Mrd. Dollar. Zieht man jetzt den Wert der Synergien von dem Aufschlag ab, dann sieht es so aus, als ob mit der Offerte ein Wert von rund elf Mrd. Dollar zerstört wird. Das sind 30 Mrd. Dollar weniger als der Markt der Bewertung von Microsoft entzogen hat.

Sicher, das alles sind nur Annäherungswerte. Und der Markt könnte richtig liegen: Akademische Studien legen nahe, dass Fusionen tendenziell mehr Werte vernichten als sie schaffen. Es besteht also die statistische Chance, dass dies auch dieses Mal passieren wird. Aber die Reaktion der Anleger war so negativ, dass sich alles, was nicht auf ein komplettes Desaster hinausläuft, als angenehme Überraschung für die Microsoft-Aktionäre erweisen wird.

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