Microsoft
Verdampft

Die Investoren haben die Entscheidung von Microsoft, das Gebot für Yahoo fallen zu lassen, zwar kurz bejubelt. Aber es wurde Schaden angerichtet. Microsoft ist 30 Mrd. Dollar weniger wert als vor der Offerte. Dies spiegelt die Besorgnis über die Schwächen im Geschäftsmodell des Software-Riesen wider, die durch den Deal besonders hervorgehoben wurden – und die Angst der Anleger, Microsoft könnte es erneut versuchen.

Wer hat am meisten verloren, Yahoo oder Microsoft? Zwar haben die Yahoo-Investoren die Aktien der Internetgruppe am Montag abgestraft, nachdem Microsoft ihre Offerte über 42 Mrd. Dollar nach drei Monaten aufgegeben hat. Aber den schwersten Schaden hat Microsoft davongetragen.

Die Aktionäre des Software-Riesen waren nie völlig von der Idee der Yahoo-Übernahme überzeugt. Anfang März hatten sie einmal den Marktwert des Unternehmens, wie er sich vor der Offerte dargestellt hatte, um mehr als 50 Mrd. Dollar geschmälert. Nach der Bekanntgabe des Rückziehers hatten sich am Montag die anfänglichen, von Erleichterung geprägten Kursaufschläge im weiteren Handelverlauf umgekehrt. Der Wert von Microsoft ist damit um mehr als 30 Mrd. Dollar gefallen, seitdem die Firma am 1. Februar ihr Gebot für Yahoo öffentlich gemacht hatte.

Dazu kommt, dass der Technologie-Sektor seitdem einen Aufschwung erlebt hat. Das Branchenbarometer Philadelphia Semiconductor-Index ist um elf Prozent geklettert. Selbst wenn sich das US-Wirtschaftswachstum verlangsamt hat, sollte Microsoft durch ihre starke globale Präsenz besser gegen eine Rezession geschützt sein als eine durchschnittliche Technologie-Firma.

Wie ist das Verdampfen des Marktwerts von Microsoft zu erklären? Nun, es besteht die Möglichkeit, dass Microsoft noch einmal versuchen wird, Yahoo zu kaufen – oder aggressiv für andere Internet-Firmen wie AOL von Time Warner zu bieten. Diese Spekulation zeigt sich am deutlichsten in der Bewertung von Yahoo. Selbst nach dem Verlust um 15 Prozent am Montag, ist Yahoo sieben Mrd. Dollar mehr wert als vor der Bekanntgabe der Microsoft-Offerte. Damit wurde auf geradem Weg Vermögen von den Microsoft-Aktionären zu denen von Yahoo transferiert.

Was aber vielleicht am wichtigsten ist, ist die Besorgnis der Aktionäre, dass das Gebot für Yahoo Schwächen im Geschäftsmodell von Microsoft bloß gelegt hat. Die Betriebsgewinnspannen im Bereich Desktop-Software liegen bei etwa 70 Prozent. Unternehmen unter der Führung von Google bieten jetzt konkurrierende, von der Werbung getragene Anwendungen wie Tabellenkalkulationen und Textverarbeitung kostenlos an. Die Angst geht um, dass Microsoft diese Anstrengungen vielleicht bekämpfen muss.

Und genau da wäre Yahoo ins Spiel gekommen, die auf dem Gebiet des Verkaufs von Online-Werbung und bei Abonnementsdiensten hervorragende Arbeit leistet. Die Offerte von Microsoft für Yahoo war von vielen Branchenbeobachtern als ein Signal gedeutet worden, dass die Firma erkannt hat, dass sie die Kontrolle über den Desktop-Bereich verlieren könnte. Dies, mehr als alles andere, könnte für die Milliarden verantwortlich sein, die dem Wert von Microsoft verloren gegangen sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%