Microsoft
Wenigstens keine Skihalle

Die Desktop-Software von Microsoft ist eine sprudelnde Einnahmequelle. Und was passiert, wenn eine solch lukrative Quelle schließlich versiegt? Ganz wie ein Ölscheichtum spielt Microsoft diese Möglichkeit herunter. Und bereitet sich dennoch auf diesen Tag vor – mit der Offerte für Yahoo.

Jeder im Ölgeschäft träumt davon, eine natürlich sprudelnde Quelle anzubohren. Bill Gates ist mit der maßgeblichen Desktop- und Büro-Software von Microsoft ohne jeden Zweifel auf eine Geldfontäne getroffen. In diesem Jahr dürfte das Unternehmen einen Umsatz von rund 35 Mrd. Dollar und Betriebsgewinnspannen von unanständigen 70 Prozent erreichen. Aber wie jeder Ölexperte weiß, kommt der Tag, an dem die Quelle schließlich versiegt. Bewegt sich Microsoft bereits schnell auf den Scheitelpunkt bei den Software-Gewinnen zu? Technologie-Freaks glauben scheinbar, dass das Geschäftsmodell, Desktop-Software für PCs zu verkaufen, ins Stottern geraten ist. Die Offerte von Microsoft für Yahoo stützt ihre Annahme.

Woher die Gefahr kommt, ist klar. Die Kunden zahlen einen saftigen Betrag dafür, um Microsoft-Software nutzen zu können. Jetzt tauchen kostenlose alternative Anwendungen im Internet auf. Google bietet online zum Beispiel umsonst Tabellenkalkulationen, Textverarbeitung und E-Mail an. Und der Kampf nimmt an Intensität zu.

Ganz wie ein Ölscheichtum spielt Microsoft die Möglichkeit herunter, dass der Scheitelpunkt in seinem Kerngeschäft bereits erreicht ist. Stattdessen behauptet die Firma, der Bereich Software bewege sich auf ein hybrides Modell zu, bei dem einige Dienste online und einige auf dem Desktop angeboten werden. Möglich. Online-Versionen dieser Programme mögen kostenlos und gut für die Zusammenarbeit geeignet sein, aber für die meisten Nutzer sind sie nicht zuverlässig genug. Und für einige Aufgaben, wie fortgeschrittene Spreadsheet-Funktionen, braucht man online eine halbe Ewigkeit.

Und doch sprechen die Taten von Microsoft eine ganz andere Sprache. Während sich manche Scheichtümer auf den Tag X der versiegenden Quellen mit dem Bau von Skihallen oder von Ferienanlagen in Form von Palmen vorbereiten, so hat Microsoft viel Geld in Unternehmungen gesteckt, die als eine Art Streuung fungieren, wie zum Beispiel das Internet-Geschäft und die Xbox-Spielekonsole im Verbraucherbereich. Leider hat Microsoft bei seinen Vorstößen in neue Branchen nicht immer nur Erfolge verbucht, sondern auch von Eitelkeit getriebene Mittelmäßigkeiten wie den Musik-Player Zune hervorgebracht.

Keine dieser Bemühungen war allerdings von dem gleichen Ehrgeiz geprägt, wie der derzeitige Versuch des Softwareriesen, seine Haupteinnahmequellen auch in Zukunft weiter sprudeln zu lassen: die Offerte über mehr als 40 Mrd. Dollar für Yahoo. Microsoft versichert zwar, das Gebot basiere ausschließlich auf dem Ziel, einen Werbegiganten zu schaffen. Allerdings könnte es sich als elementar erweisen, sich die nötige externe Expertise zu sichern, wenn die Software-Distribution wirklich einmal komplett online erfolgt. Dies würde auch erklären, warum Microsoft trotz des Unmuts der Aktionäre Yahoo so hartnäckig weiter verfolgt. Die Erfahrung der Internet-Gesellschaft beim Verkauf von Online-Werbung und bei auf Abonnements basierenden Nutzerdiensten könnte von unschätzbarem Wert sein.

Auf jeden Fall werden sich die kostenlosen Online-Angebote von Google mit der Zeit qualitativ verbessern, Kunden anziehen und die Gewinnspannen von Microsoft unter Druck setzen. Diese sprudelnde Quelle wird nicht über Nacht zur Neige gehen, aber die Tage des mühelosen Abschöpfens – und der leichten Gewinne – könnten schon vorbei sein.

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