Microsoft/Yahoo
Analyse: Microsoft verstärkt den Burggraben

Microsoft hat seine Offerte für Yahoo damit begründet, in den Bereichen Internetsuche und Werbung wachsen zu wollen. Da der Software-Riese nun wahrscheinlich mehr für seine Beute zahlen muss, könnte es sich lohnen zuzugeben, worüber das Management eigentlich besorgt ist: Das Internet könnte nämlich eine langfristige Bedrohung für sein dominantes Software-Geschäfts darstellen.

Microsoft begründet seine Übernahme-Offerte über 44 Mrd. Dollar für Yahoo damit, dies sei ein Weg, um im Bereich Internet-Suche und in der Werbung so zu wachsen, dass das Software-Unternehmen der Google-Maschinerie etwas entgegenzusetzen hat. Aber die Microsoft-Aktionäre machen sich immer noch Sorgen. Und dazu haben sie jetzt noch einen Grund mehr. Nachdem Yahoo das Gebot über 31 Dollar je Aktie zurückgewiesen hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Microsoft nachbessern muss, um seine Beute zu erlegen.

Aber was ist, wenn es bei dem Deal nicht nur um Online-Werbung geht? Was ist, wenn bei der Schlacht eigentlich das Überleben des Microsoft-Kernbereichs Software auf dem Spiel steht? Natürlich würde Microsoft nie eingestehen, dass der Einsatz so hoch ist. Aber es spricht einiges dafür, dass die Akquisition von Yahoo über eine Verbesserung des Online-Geschäfts von Microsoft hinaus den Burggraben verstärken würde, der seine Desktop-Franchise rund um den Globus sichert.

Angefangen hatte alles mit der Idee von Yahoo-Chef Jerry Yang, Yahoo zur „Startseite” für jeden Internet-Nutzer auf der ganzen Welt zu machen. Derzeit ist für die meisten Computernutzer tatsächlich Microsoft die erste Seite – bevor sie sich noch ins Web einwählen, öffnen die meisten die Desktop- oder Outlook-Produkte und -dienste des Unternehmens, um loslegen zu können.

Google versucht, das zu ändern. Das Unternehmen entwirft eine Zukunft, in der die Kunden Microsoft umgehen, um Applikationen wie Spreadsheets und Textverarbeitung zu nutzen, die kostenlos unter Google Docs angeboten werden. Bis jetzt hat Google Docs die Desktop-Vorherrschaft von Microsoft noch nicht angekratzt. Aber der Bereich wächst eindrucksvoll. Im November war die Zahl der eindeutigen Nutzer von Google Docs auf 1,6 Millionen gestiegen nach 600 000 im Juni, berichtet Compete.com. Und nach Angaben von Google steigen jeden Tag 2 000 Unternehmen neu bei Google Apps, der Geschäftssoftware auf Abonnementbasis, ein.

Warum spielt das eine Rolle? Microsoft dürfte im Geschäftsjahr 2008 rund 36 Mrd. Dollar oder 61 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf von Desktop- und Büro-Software erwirtschaften, schätzt Credit Suisse. Das sind mehr als 100 Prozent des Betriebsgewinns der Gruppe. Wenn sich Google nur ein Häppchen von 20 Prozent aus diesem Geschäft schnappt, würde das die Microsoft-Investoren etwa fünf Dollar je Aktie kosten.

Google ist weit davon entfernt, eine solche Bedrohung darzustellen. Aber je mehr die Suchmaschine ihre Position als die bevorzugte Startseite der Internetnutzer ausbaut, desto leichter ist es zu verstehen, wie Microsoft es für sich begründen könnte, für Yahoo tiefer in die Tasche zu greifen.

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