Migros-Akquisition
Schöne neue Welt

Die Übernahme von Migros über 3,3 Mrd. Dollar durch BC Partners ist der erste große LBO in Europa nach dem Einsetzen der Kreditkrise. Die Transaktion unterscheidet sich stark vom herkömmlichen Modell der Branche: Es handelt sich um einen Abschluss in einem Emerging Market, er wird von lokalen Banken finanziert und mit 50 Prozent Eigenkapital durchgezogen. Das sieht nach größerem Risiko bei gleicher Rendite aus.

Die Akquisition der führenden türkischen Supermarktkette Migros durch BC Partners über 3,3 Mrd. Dollar ist nicht nur die größte fremdfinanzierte Übernahme (Leveraged Buyout, LBO) in Europa, seitdem die Kreditkrise im vergangenen Sommer ihren Lauf genommen hat. Sie gewährt zugleich einen Einblick, wie sich das Private-Equity-Modell an eine Welt anpassen könnte, in der Übernahme-Gesellschaften nicht mehr länger mit dem Zugang zu billigen Krediten rechnen können. Der Deal lässt darauf schließen, dass die Branche neue - und möglicherweise größere – Risiken auf sich nehmen muss, um ihre traditionellen Renditeziele zu erreichen.

Der Kauf von Migros ist gleich in dreifacher Hinsicht eine Premiere für BC Partners: Es ist der erste Abschluss der Beteiligungsgesellschaft in einem aufstrebenden Markt, der erste, der von Banken vor Ort finanziert wird und der erste, bei dem so viel Eigenkapital zum Einsatz kommt, nämlich 50 Prozent. Wie die meisten Private-Equity-Häuser hatte sich BC Partners in den vergangenen fünf Jahren auf westliche Unternehmen konzentriert, sich auf die weltweit größten Kapitalgeber verlassen und eine Fremdmittelfinanzierung von bis zu 80 Prozent eingebaut.

Es sieht immer noch so aus, als würde BC Partners ihre Renditeziele von 20 Prozent und darüber erreichen. Aber der Hauptmotor für diese Renditen wird nicht, wie sonst für einen Private Equity-Deal typisch, der Einsatz von Fremdkapital sein, sondern das erwartete jährliche Gewinnwachstum der Supermarktkette von 20 Prozent. Migros will die Einkaufskultur in der Türkei revolutionieren, indem sich die Firma von den Basaren und Eckläden auf modernere Supermärkte verlegt.

Um diese Renditen zu erreichen, nimmt BC Partners neue und ungewohnte Risiken auf sich – Währungs-, Zins- und politische Risiken. Einige davon können abgesichert werden, aber das kostet etwas. BC Partners geht zudem Beziehungen zu neuen Banken ein, nämlich der Garanti Bank, Is Bank und Vakifbank, die keine Erfahrung mit LBOs haben. Migros ist die erste Private Equity-Akquisition einer notierten Gesellschaft in der Türkei.

Auch der Deal selbst birgt einige Gefahren. Gemäß den türkischen Gesetzen ist eine Abfindung der Minderheitsaktionäre nicht erlaubt. Das bedeutet, dass BC Partners möglicherweise als Großaktionär einer börsennotierten Firma enden könnte – ein weiterer Trend, der sich in der Beteiligungsbranche manifestieren könnte. In der Vergangenheit hatten die Private Equity-Häuser ihre Fähigkeit, abseits des gleißenden Lichts der öffentlichen Kapitalmärkte arbeiten zu können, stets als einen ihrer größten Vorteile dargestellt.

Trotzdem könnte die Migros-Transaktion eine Signalwirkung für die kommende Entwicklung der Übernahme-Branche haben, die jetzt außerhalb ihrer traditionellen Märkte nach Rendite Ausschau hält. Auf jeden Fall dürften sich aber die Konnotationen im Vokabular der Geschäftemacher verschieben: die den Fremdmitteleinsatz kennzeichnende Komponente „leverage“ bei Abschlüssen dieser Art dürfte verblassen und der das Eigenkapital bezeichnende Bestandteil „Equity“ in Private Equity viel stärker betont werden.

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