Milliardenbetrug
Bei Madoff ist nichts zu holen

Der Versuch von Bernie Madoff, Familienmitgliedern Schmuck im Wert von über einer Million Dollar zuzuschmuggeln, lässt darauf schließen, dass er doch nicht ganz mittellos ist. Doch das Geschmeide nutzt den Investoren nichts, die dem mutmaßlichen Betrug des Königs aller Schneeballsysteme über 50 Mrd. Dollar aufgesessen sind. Selbst langfristig sollten sie nicht damit rechnen, allzu viel zurückzubekommen.

Der Versuch von Bernie Madoff, Familienmitgliedern Schmuck im Wert von über einer Million Dollar zuzuschmuggeln, lässt darauf schließen, dass er doch nicht ganz mittellos ist. Aber dieses unbedeutende Geschmeide nutzt den Investoren nichts, die seinem mutmaßlichen Betrug über 50 Mrd. Dollar aufgesessen sind. Selbst langfristig sollten sie nicht erwarten, allzu viel zurückzubekommen – ein paar Cents zum Dollar höchstens.

Das in den Medien offen gelegte Ausmaß, in dem die Investoren betroffen sind, bewegt sich langsam auf die enorme Summe zu, die Madoff angeblich seinen Söhnen gegenüber gebeichtet hat. Das Problem ist, dass ein Großteil des Geldes vielleicht nie existiert hat.

Nehmen wir einmal an, Madoff hat 1998 damit begonnen, von Anfang an fiktive zwölf Mrd. Dollar zu verwalten. Und nehmen wir einmal weiter an, er behauptete, eine Rendite von 15 Prozent im Jahr zu machen, während er tatsächlich gar keine erzielte. Dann gehen wir davon aus, dass die Investoren zusammen jedes Jahr die Hälfte ihrer Papiergewinne abzogen, und dass Feeder Funds – wie die Fairfield Greenwich Group – Gebühren in bar von durchschnittlich 15 Prozent der Gewinne einsammelten.

Spielen wir das Spiel weiter und setzen an, dass Madoff und sein Netzwerk jedes Jahr frisches Geld in Höhe von etwa zehn Prozent der Vermögenswerte einnahmen. Dann hätte Madoffs fiktives Buch zum Ende des Jahres 2008 ein verwaltetes Vermögen von etwa 50 Mrd. Dollar aufgewiesen. Natürlich ist dies über den Daumen gepeilt, aber es lässt sich zufällig damit vereinbaren, dass der Schneeballkönig offenbar Ende 2005 rund 30 Mrd. Dollar verwaltete – die beste Schätzung von Harry Markopolos, dem Mann mit hellseherischen Kräften, der die US-Aufsichtsbehörden wiederholt vor Madoff gewarnt hatte.

Und jetzt kommt leider die schlechte Nachricht für Madoffs Investoren. Ausgehend von jenen Annahmen beläuft sich der Nettosaldo der seit 1998 tatsächlich geflossenen Barmittel – neues Geld rein, Rückkäufe und Gebühren raus – auf nur etwa 600 Mill. Dollar, was durchschnittlich 60 Mill. Dollar im Jahr entspräche. Diese Zahl lässt sich auch mit dem im Einklang bringen, was über den Lebensstil von Madoff an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Und selbst wenn dies alles wieder eingetrieben werden kann, ist es trotzdem nur ein wenig mehr als ein Cent zu dem Dollar, mit dem die Investoren eigentlich gerechnet hatten.

Es gibt Gerüchte, dass die Investoren, die Geld zurückgenommen haben, es vielleicht wieder abgeben müssen. Wenn dies für die Rückkäufe von 2008 zuträfe – konkret gesagt, auch wenn dies sicherlich rein spekulativ ist – könnten dadurch weitere drei Mrd. Dollar im Topf landen. Treibt man die Gebühren eines Jahres von Fairfield Greenwich und anderen (was noch weiter hergeholt ist) wieder ein, dann erhält man noch eine Mrd. Dollar. Und all dieses Geld, zusammen mit möglicherweise 600 Mill. Dollar von Madoff, ergäbe insgesamt immer noch weniger als zehn cts zu jedem Dollar der Investoren.

Das ist zwar besser als nichts, aber es ist auch nicht viel – und es könnte zudem noch übertrieben optimistisch sein. Belagerte Madoff-Investoren, die sich mehr erhoffen, müssen unglücklicherweise ihre Erwartungen herunterschrauben. Wenn wir seinen Familienschmuck einmal außer Acht lassen, so ist davon auszugehen, dass der Kaiser vermutlich gar keine Kleider hatte.

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